Wochenblatt, oder in der Zeitung erklärt, daß schlechte Mittel angewendet werden, um die Wähler zu täuschen und zu verfuhren, so nehmt euch das zu Herzen und seid doppelt vorsichtig, daß auch euch der Böse nicht beschleicht. Wenn aber Jemand kommt, und sei eS euer nächster Nachbar, der Windbeuteleien im Kopfe hat und euch Versprechungen macht, oder so viel hcrum- tuschelt und heimlich thut, oder für die Stadt Herren wirbt, die euch Dortheile ausfechten würden, oder euch heimlich Schriften zusteckt, oder NamenSunterschriften und Verpflichtungen von euch verlangt: so bringt die' Sache gleich offenbar in der Gemeinde zur Sprache, oder wendet euch an einen verständigen Mann, der die Welt kennt und mit solchen Dingen schon eher Bescheid Weist, sei es euer Nachbar, oder der Schulz, oder der Pfarrer, oder der Gutsherr, — zu wem ihr Nun gerade das meiste Zutrauen habt — und fragt ihn, was das zu bedeuten habe, und ob das wohl Alles mit rechten Dlngm zugehe. Zeigt auch die Schriften, die man euch gegeben hat; auch diese Blätter, kn denen ihr eben leset, zeigt und besprecht euch darüber, denn Wir treiben keine Heimlichkeiten. Und ist NM die Sache danach angethan, dast ihr Unrath merkt, und daß man euch mit List und Lüge fangm oder auf unredlichem Wege eure Stimmen erlangen will, so macht dem OrtSvorstand oder dem Landrath davon Anzeige, damit der Schwindler und Betrüger seine Strafe erhalte. Denn das ist eure Pfllcht, Schaben vom Lande abzuwenden. DaS habt ihr schon als Soldatm geschworen, und dieser Eid bleibt jedem brave» Preußen heilig sein Lebelang.
Wir können uns nicht genug vor dm Wühlern und Ausrührern in Acht nehmm; sie sind gar zu thätig und betriebsam, und da ihnm kein Mittel zu schlecht ist, um ihre Absichten zu erreichen, so versuchen sie eS auf allen Wegen, unter allen Vorspiegelungen, um- an die Leute zu kommen, und die Leichtgläubigkeit, die Gutherzigkeit und dm Unverstand für sich zu mißbrauchen. Um euch ein Beispiel von Ihrer Schlauheit und Betriebsamkeit zu geben, wollen wir einmal erzählen, wie sie sich dle Wahlgeschichte hier in Berlin eingerichtet habm.
Da ist zuerst eine Haupt-Gesellschaft von Aufwieglern zusammengetretm — fie nennen sich „Een- tralcomit« für volkstümliche Wahlen" — welche die ganze Sache leitet, alle Ränke und Kniffe angiebt, und nach allen Gegenden hin mit den Wühlern in Verbindung steht. Au dieser Gesellschaft gehören mehrere Mitglieder der schlechten Nationalversammlung, welche der König auflösm mußte. Hier in Berlin hat die Gesellschaft die ganze Stadt in fünf große Abheilungen gcthcilt, und. in jeder Abtheilung ist wieder ein besonderer Ob er-Dereln von Wühlern und Aufwieglern eingesetzt, welcher die Wahlen in derselben leitet. Zn Verbindung mit diesen Ober-Vereinen stehen in jeder Abtheilung eine Anzahl von Unter-Vereinen, welche Inden einzelnen Wahlbezirken der Stadi thätig sind uud für die Republikaner und Demokraten werbm. Die Unter-Vereine haben wieder ihre Dremm- ler und Kundschafter — Agenten nennen fie es — welche jeder die Bewohner von 5 — 10 Häusern auszuforschen, nach ihrer Gesinnung aufzuschrribm und Alle, die nur irgend zu gewinnen find, zu verführen ^ und für die schlechten Pläne hcrmzuziehm Laben. Die t Hauplverfühnmg geschieht in geh eimen Versammlungen, zu welchen die Leute eingcladm werden.
Hier sind besondere Großmäuler und Schwadronöre angestellt, welche am besten die Skunst verstehen, den Latten die Köpfe zu verdrehen uud sie zu all' dem Unsinn anzuleiten, welchen ihr den Sommer über so , oft aus Berlin gehört habt. Aber der alte Wrangel ist diesen Burschen scharf auf dem Leder, und wo er mir irgmd so ein VerführungSneft auSnehmm kam, da greift er die Rädelsführer und Legt ihnm das Handwerk. Nnn sind auch die vernünftigen Leute in Berlin nicht faul, und wirken wieder für gute Wahlen; denn sie habm von den Wühlern gelernt, daß man ^ thätig sein muß, wem man waS durch sitzen will. Sie i besprechen sich unter einander, und halten Bersamm- ! langen und stellen ihrm Angehörigen und Dienstleulm vor, daß mir brave, redliche Männer gewählt werden !
dürfen, wenn nicht das Land und wir Alle Schaden !
nehmm sollen. .
Wie aber in Berlin, so baden die Wühler und

