In -ie Dichter auf dem Lande.
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setzet den Fall, ein vornehmer und reicher Herr, mit dem Ihr einen Rechtsstreit gehabt, vereinigte sich mit Euch dahin, daß Ihr ein schönes und stattliches Haus von ihm bekämet, darinnen Ihr mit ihm wohnen und Euch bequem und behaglich elnrichten sollt. Ihr seid auch zufrieden und kommet, Besitz von dem Hause zu nehmen. Aber am Thore findet Ihr zuerst einige Wächter, die eS' versuchen, Euch den Eintritt zu wehren. Und Ihr findet weiter, nachdem Ihr diese Wächter zur Einsicht gebracht, an der Thüre der Zim,
«er viel mehr noch und viel gewaltigere Leute.
Die waren von den Sachwaltern des vornehmen Herrn dorthin gestellt, damit sie thäten, als ob sie von Eurem guten Rechte und von Eurem Anspruch auf daö stattliche Haus gar. nichts erfahren hätten. Die Sachwalter deS Herrn nämlich konnten dann, wenn ihre Leute die Stärkeren waren,
Euch glauben machen, daß sie Euch gern die Wohnung geräumt und daß nur Jene es verhindert haben. Es zeigt sich aber, daß Ihr dennoch die Uebermacht habt und es gelingt Euch nun endlich bis in die Zimmer des Herrn zu kommen, mit dem Ihr zusammen wohnen sollt- Dawci- gern sich nun -war die Sachwalter, nicht mehr, weil sie begreifen, daß Ihr die Stärkeren seid; sie machen gute Miene zum bösen Spiele und erlauben, daß Ihr nach Eurer Bequemlichkeit Alles ordnet und Euch behaglich niederlaffet. Aber, die Sachwalter des vornehmen Herrn sind nicht so willfährige Menschen » als Ihr eS in Eurer Einfalt glaubt. Sie wissen, daß sie ein gut Stück von ihrer alten Herrschaft verlieren, wenn Ihr die Mitbewohner deS Hauses bleibt. Darum verstärken sie ihre Maimschaft und . ihre Dienerzahl, bis sie dafür halten, daß. Ur gegen diese nichtS mehr schaffen könnt; dann veguinen sie. Händel mit Ä»ch und sagen, Ihr seid'.' nicht »artig.km, Hause, gewesen, Ihr hättet Unruhe' und Aufruhr gemacht Und kur-und gut, wenn der Winter gekommen- und Ihr die Frücht Eurer langen Mühe' nun erst recht. mitBequemIichkeit genießenwollt, dann machen sie kurzen Prozeßimd setzen, Duch, ohne dasi Ihr das Geringste behalten,dürft, auf dis-kalte Straße. Wäs ihm Ihr daniA ^Jhr!
gebt keine Antwort? Oder doch — Ihr gebt dann vielleicht eine-.
Aber Ihr glaubt, lieben Landsleute, das sek eine Fabel, die Ihr angchört habt, und es war und ist doch nichts mehr und nicklS weniger, als die Geschichte von der schonen Verfassung, die Ihr am 5. December bekommen habt.
Die Constitution ist das schöne und stattliche HauS, in welchem Ihr mit unserem guten Könige wohnen sollt. Sie verspricht Erich alle nur möglichen Rechte und alle nur möglichen Freiheiten, die Euch zu dm unabhängigsten und zu den glücklichsten Menschen auf der Erde machen. Jeder von Euch soll z. L was ihm beliebt, reden, schreiben und drucken dürfen, und wenn er etwas Unrechtes gesprochen, geschrieben oder gedruckt, dann sollen cS nicht mehr die Richter sein, die bei verschlossenen Thüreu und nnch dem alten harten I Landrecht, über die Schuld deS Angeklagten entscheiden, sondern Männer des Volks, die nach ihrer gesunden Vernunft und nach ihrem guten Herzen erklären, ob der Mann Unrecht gehabt oder nicht. Ihr sollt nicht mehr von jedem Landrath, von jedem Schulzen, von jedem Gensdarm willkürlich eingesteckt und gefangen gehalten werden, sondern künftig nur, so lange und sobald cs der Richter für absolut nothrvendlg hält. Ihr sollt, nicht mehr nach dem Belieben der Herren Minister Euere Steuer» bezahlen, sondern nur, wie die Männer eS gutheißen, bie Ihr als Abgeordnete jährlich nach der Hmlptstadt schickt. Und die Minister sollen auch sonst nicht thun und verfügen dürfen, wie «S den vornehmen Herren gefällt, sondern sie sollen verantwortlich sein dem Volke, d. h. denselben Männern, die Ihr zu Euren De- putirten wählt.
. Das sind gewiß lauter schöne und treffliche Freiheiten, über die wir uns Alle nur freuen und für die wir dem guten Könige von Herzen nur danken können. Aber verständige Menschen freuen sich nicht, wie die Dumnen und wie die Kinder; sie sehen. Ach,, was' man ihnen giebt, besonders wenn eS'ihnen von Rechtswegen zukommt, von allen Seüen.recht gründlich an,»Das wollenMr denn auch mit der, Epnsiltulion vom 5. December
