trage eine- großen Volkes zu errichten haben, kann nur durch gegenseitige Verständigung der Bauleute unter Dach kommen, eine Verständigung, wie sie nur auf dem Wege des Ideenaustausches, auf da« Wege logischer DiScussio», nicht über durch den blinden Kampf mit vor­gefaßte« FrattiooSprinzipie» und tinerercitten Patter- phrasen zu erwirken ist. Ohne diese Verständigung daS bedenken Sie wohl, memc Herren wird es Ihnen gehen wie dm Bauleuten des Thurms zu Babel »ach der Sprachverwirrung: Ihr Werk wird nicht Geschichte wer­den, sondern Mythe bleiben.

Hindurch, meine Herren, glaube ich meinen Stand­punkt genau festgestellt und es gerechtfertigt zu haben, daß ich mich weder zur Rechten noch zur Linken schlage, foudern nur im Sinne meiner Vernunft rede und stimme; mit dem Ministerium und der Rechten, wen» der Lor­schlag, der von ihnen auSgeht, nach meiner Einsicht em vernünftiger ist, gegen das Ministerium und mit der Lin­ke», wenn jener Vorschlag nach man» Einsicht sich als ein unvernünftiger erweist. Und so lange Sie nicht er­weisen können, daß die Rechte als solche stets unvernünf­tig, die Linke als solche aber stets vernünftig Handel» muß, oder umgekehrt; so lauge Sie ferner nicht bestreiten können, daß die Vernunft, diese Mathematik der Gedanken unfehlbar ist, wie die Mathematik überhaupt;

so lange Sie endlich zugeben müssen, daß man Staa­te» regiert nicht mit der technischen Fertigkeit eines Par- teiftchters, sondern mit der intellektuellen Fähigkeit eines Staatsmannes: so lauge werde» Sie es recht finde» müssen, daß ein gewissenhafter Volksvertreter sich an Ihre« Patteikampfe nicht betheiligt, sonder« dem Gebote seiner Vernunft zufolge bald mit der Rechten, bald mit der Linken übereinstimmend auftritt.

Und nun endlich zur Sache!

ES handelt sich dabei um die allerdings sehr wich­tige Frage; ob Sie eine AutwortSadresse auf die Thronrede votiren solle« oder nicht? und da bin ich denn gleich Ln dem Falle, weder der Rechten noch der Linken unbedingt beifiimmeu zu können. Die Rechte besäet die Frage und zwar wie ich bemerkt zu haben glaube bloS deshalb, weil sie schon vorher wußte, daß die Linke sie verneinen würde; und die Linke verneint die Frage wie ich wieder bemerkt zu habe» -glaube bloS deshalb, weil der Antrag dazu von der Rechten auSgegange» ist. Und das soll nun ein Prin- cipienstreit sein! Meine Herren ich frage Sie, wo liegt hier das Pn'ncip? Ist es «nvolkSthümlich nnd die Linke beschuldigt ja die Rechte der UnvollSthümlichleit!

die Thronrede zu beantworte«? Nun, meine Herren, dazu kan» ich Ihne« ein komisches Gegenstück liefern. Im Königreiche Sachsen altkonstitutionelle» StplS, im Jahre 1843, hatte die Regierung der Himmel mag wisse» aus.welchm» Grunde erklärt: daß sie eine Antworts­

adresse auf die Lronrede nicht zvlasseu könne. Was ge­schah? Die volköthümliche Partei nnd Sie «eine Herren von der Linke» nennen sich ja die volkSthümliche Partei! suchte »ü Aufgebot aller ihrer Kräfte zu be­weisen, daß daS Wohl des Volkes eine Antwortadreffc durchaus erfordere; und wer dieser Meinung entgegen- trat, der war ein Volksfeind, eia Reaktionär. Hat es also mit diesem Principe feine Richtigkeit, daun, meine Herren von der Linken, sind Sie ja Volksfeinde rmd Reaktionäre; (Murren der Linken; wüthendcr Beifall auf der Rechten.) za, meine Herren, Reaktionäre, denn Sie schließen sich in Ihrer Ueberzeugung dem so furchtbar reaktionären sächsischen Ministerium vom Jahre 1843-voll- standig an; Sie verwerfen die Lddreffe. Oder wie, sollte das, was im Jahre 1843 bei der Demokratie eia richtiges PrLncip war, im Jahre 1849 ein falsches ge­worden sein? Ei, meine Herren von der Linken, dann nehmen Sie es Ihren Gegnern von der Rechten doch ja nicht übel, daß sie ans die Conscquenzeu Ihres PrincipS nicht immer eingehen; daun loben Sie dieselben vielmehr, daß sie so vorsichtig sind, einige Jahre damit zu matten, «m sich erst zu überzeugen, ob diese Ihre jetzigen richti­gen Principe im Jahre 1852 nicht gleichfalls falsche werden.

Wenn die Rechte eine Antwortadreffc für »öthig hatt: so stimme ich ihr darin vollkommen bei, wenn auch nicht aus Gründen, die de» Parteizwecke» der Rechte» angehöreo, sondern im Gegeotheil aus solchen Gründen, die zufällig mit der Patteiansicht der Linken harmoniere». Diese Grunde Ihnen hier zu entwickeln, erachte ich für jetzt als überflüssig, da ich mit der ganze» Frage nicht einverstanden bin.

Denn, meine Herren, unmöglich kann es sich unter den obwaltenden außerordentlichen Umstände» für eine Volksvertretung, welche noch »neu Funke« von Ehre im Leibe hat, < Allgemeine Spannung von beiden Seiten) bloS darum handeln: ob überhaupt eine Antwottadresse votitt werden soll? sonder» es kan» bei einer solchen Volksvertretung gleichviel welche politische Tendenz ihre verschiedenen Frattiouen habe« möge« nur davon die Rede fein: ob sich eine solche Antwottadresse jetzt unter jenen obwaltenden außerordentlichen Um­stande« mit der Ehre der Volksvertretung vereinbaren laßt? (Ah! von der Rechten. Bravo von der Linken.) Ja, meine Herren; denn so unzweifclhast es fefisteht, daß eine ehreuwerthe Volksvertretung in Hinsicht der po- litifchea Tendenz sehr zerspalten fem kann: eben so un­zweifelhaft fest steht es aber auch, daß eine solche Volks­vertretung in der weit höheren Tendenz, in der Tendenz der Ehre vollkommen einig sein muß und wird! (Bravo von der Rechten und Linken.)

Nun denn, meine Herren, die Ehre der zweiten Kam­mer verbittet ihr für jetzt eine jede Antwottadresse auf