Offener Brief
an den gkwkfme»
Oder-Borgemeisttt Krausnick
»»«
Jft« Mose« Herfth.
Gewefe»er Herr Oberb»rg e«eister !
Mit großem Erstaunen habe ich gelesen, daß Sie haben geschrieben au unseren hochedlen Magistrat und an die Herren von der Stadt- verordneten'Versammlung, daß Sie wieder wollen ««treten in Zhr Amt, weil Sie find gesund geworden von Ihre Krankheit. — Da Sie aber auf dieses erstauneuSwerdige Schreiben noch nicht haben bekommen ein Wort Antwort, so werde ich Ihnen geben eins mit die freie Presse.
Wie heißt, Me wollen wieder eintreten in Zhr Amt? Was re- den Sie da str Stuß? Da Sie einmal find pleite gegangen, bleiben Sie pleite! Daß Sie gern wollen wieder eintreten in die 7000 Rchlr. Gehalt, glaub ich Ihnen; —ich möcht auch! S Spaß! Hat man Ihnen dazu weggejagt in die Revolution? Wem. Sie wären gewesen ein ritterlicher Held, Hütten Sie sich nicht gelaffen wegjagen, sondern hätten aufgeknöpft Ihre« Rock und hätten bloS gemacht Ihr Herz und hätten geschrieen: „Da! stecht mir rein in mein unschuldig Herz, dass ich hin- falle wie ein geschochtener Ochs, aber von mein Posten weich ich nicht, so soll mir Gott helfen!" — Habe Sie so gesprochen, gewesener Herr Oberborgemeister?—Sie habe mscht so gesprochen! Sie haben fich ge- retterirt in ein Haus und habe» gerufen: ,Lch danke ab, ich danke ab!" Raun kommen Sie wieder'nach 8 Wochen? Me heißt? Ist eppe- unsere glorreiche Revolution a Spaß gewesen? Unsere Barrikaden a Pup- penspielche? —
Sagen Sie mir mal, gewesener Herr Oberborgemeister, warum hat Ihnen das Volk weggejagt? Gewiß haben Sie doch mscht getaugt. Ru, wem Sie mscht haben getaugt, wie kann man Ihnen str das schwere Geld wiedernehmen? Hast D« so was gesehn! Sie haben ge- nommen Ihren Abtritt, - - bleiben Sie bei Ihren Abtritt. Niederem- treten, a gute Kunst! Zu d em Geschäft werden sich mehr Liebhaber fin- den. Sie meinen, Eichhörnche möcht «ich auch wieder eintreten? Ich geb Ihnen mein Wort, Sie brauchen nur zu winken. Und Herr General Thiele nicht? A Spaß! Der Mann weiß, es find noch 3? Millionen in den Schatz. Wie heißt wieder eintreten? — Sägen Sie mal, gewesener Herr Oberborgemeister, was. würden Sie sagen, wenn Louis Philipp schriebe an die Französische Stadtverordnete in Pari-, er will wie- der eintreten in seine Krone? Würden Sie mch sagen: Der Mensch t» meschugge?" — Ru, was soll man sagen zu Ihnen?
Sie sagen. Sie find worden gezwungen zm Abdankung und das gilt mscht. Haben fie sich S Wochen lang auf die Ausrede besonnen? Sein Sie kein Schaute! Sie haben immer gekonnt so klug schmuse», und st schöne Worte machen, wie könne» Sie jetzt reden solche Ramsch- kett? Erst haßen sich die Berger über Ihnen geärgert, jetzt machen Sie fich so zum Rarreu, daß die Berger über Ihnen lachen! Was soll Ihnen die Schmue?
Ganz besonder- aber habe ich mich gewundert und verstaunt, -aß Sie schreiben. Sie find gewesen krank Wa- haben Sie gehabt str eine Kränk? Eppe- den Durchlauf? Oder das kalte Fieber mit AähneNappern? Oder Herzspann mit innerliche Angst? Oder ein
Wurm i« Gewissen? Ich Hab gehört, Sie haben früher immer ge- litten am KrebS; ich glaub aber nicht, daß Sie find davon genesen. E- ist wahr, Sie haben immer gestrebt, in der Wett vorwärts zu kommeq, aber Sie haben niemals gestrebt, die Wett vorwärts zu bringen. Sie haben immer gekonnt schön reden, aber fie hätten gemußt schön hau- deln. Ich sag Ihnen, Handeln ist die Hauptsache. Wenn Sie hätte« gehandelt, hätten Sie auch erworben die Gunst von Ihre Mitberger. Sie hätten gekonnt werden, was soll ich sagen? Alles: Dahlmann str umstast, «ud Abgeordneter str S Rchlr. täglich zusammen mit de Ritterschaft aus Pommern! Za ja, mein lieber gewesener Herr Oberbor. geweifter. Sie find gewesen kraut: Sie haben gehinkt; Sie haben ge- litten an den schwarzen Staar, denn Sie habe« immer nur gebliuzett nach oben, und nuten ist str Sie alles gewesen finster; Sie sind ge- , wese» taub ftir die Stimme der Zeit; Sie haben gelitten an Heiß. Hunger, den l>000 Rchlr. jährlich nicht haben können stille«. Soll ich leben, Sie find gewest» durch und durch ein kranker Mann. Danken Sie Sott, daß Sie find fort vou Ihr Amt! Fangen Sie keine Ge- schichten an! Mit Revolution ist «ich zu spaßen! Liefern Sie ab Ihre tokateugoldene Kette mit die schöne große goldene Metalje. WaS thut '«er damit! Mn» Sie wollen durchaus haben einem Halsschmuck, können " Sie kriegen ein« andern. —
Zu» Schluß will^ch Ihne» noch gebe« ein Rach. Schweigen Sie still, rühren Sie mcht tu die alte Geschichten, reizen Sie die Berger mch ; Sie sehen, die Herrn Stadtverordnete find schon gewesen entrüstet. Waö chuu Sie damit? Sie werde« noch haben Aerger davon, man wird an de Ecken Plakate auf Ihnen machen und die Leute werden drumrum flehen und werden fich a Gelächterche draus machen. Sie find gewesen krank, machen Sie zur Erholung eine Promenade, gehen Sie — in fich. E- ist kein angenehmer Spatziergang, aber er ist heilsam. Werde» Sie sein M, so werden Sie kriegen eine Pension und die Berger werden Ihnen laufen lassen. Werden Sie aber machen Spetakel, so werden Sie davon haben viel Verdruß und wenig Geld, wie Leporello sagt. Also noch eiumal, mache« Sie keine SchmouzeS BerjanzeS! Wissen Sie noch wie Eichhörnche hat gemacht, wenn Sie find bei ihm gewesen zu Au- dijenz und Sie habe» gesollt Weggehen? Hat Ihne» gegeben a Wunk mit de Hand und Sie haben gemacht ein Kratzstß und sind gegangen. Da habe» Sie die ganze Schmue. Jetzunder hat das Volk Ihnen gegeben a Wunk, «u machen Sie hübsch auch ein Kratzstß und gehen! Bei Eichhörnchen können Sie nicht wieder kommen, bei uns brauchen Sie nicht wtederzukommen. Also verhallen Sie fich ruhig, sonst kommt die Dürgerwehr, und dann soll Gott hüte»! Dieses sagt Ihnen aus gutem Herzen . '
Berlin, i« Map 1S4S.
Jsaae Mose» Harsch,
konstitutioneller Berg«.
Berlin, zu haben Sophien-Strafe Rr. S.
Druck »o« Vr«»d«S Sc Schachs, Noßfinße ».
