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Zweite Anklage. -MU

NreiS I Sgv.

Ramte erls RÄtiVIrsl -- VersaMmeltee.

Dritte Sitzung.

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Brenneke. Na Bruder Nante wat simmelirsten? Haste dir noch nich entschieden wat Du vor'n Ministerium annehmen willst?

Nante. Ick weeß nich, soll ick mir vor den Krieg oder Vor de Kirche entscheiden. Des Auswärtige mag ick nich haben; dabei kriegt ma» Schmisse. ,

Brenneke. Ja so 'ne Kastanicnwalds-Interpellation iS Mch. Aber hast Du denn ooch die Fähigkeiten zu een Ministerium? Ick globe, Du würdest ooch Kalo Deinen Abtritt nehmen müssen,

Nante (murmelti. Des geehrte Mitglied issen Schaftkopp! Als ob dazu Fähigkeiten gehörten. Ick setze mir »f die rechte Seite, un stimme immer gegen't Volk; un wenn in Berlin vcr Deibel loS iS, den» fahre ick nach SanSzuzie un drucke Schappangcr, det iffet ganze Kunststück.

Brenneke. Schwerebrett! uu davor 12000 Dhaier! würklich auSgezeuchnetü Hätte mir mein Vater doch ooch Minister lernen lassen. Du hast aber noch gar niäi gereo't in die Singeakademie. Nante. Wie kommt denn des?

Nante. Ick hacke eene gute Rede vor zu schade in die Versammlung. Sie wird ooch gar nich angehört; denn so wie die Linke wat Vernünftiges zum Vorschein bringt, trampelt die Rechte mit die Beene, und fängt an zu grunzen.

Brenneke. Des Grunzen sind den Gutsbesitzern un Bauern heimische Töne, un wenn sie dazu noch mit die vernagelte Stiebeln an zu trampeln fangen, denn muß det een Concect geben, wie die Singeakademie noch keencs gehört hat.

Nante. Ja wen» bloS ihre Stiebeln vernagelt wären, denn ging' et woll noch an; aber so --

Brenneke (bravo). Nu sage mal, wie weit seid ihr denn mit die Vereinbarung? det dauert verflucht lange. Ihr habt doch blos die „vom König vorgeschriebene RegierungSform anzunehme»;" wat besinnt ihr euch denn da so lange?

Nante. Du red'st wic'n Wlrrsitzer in Uniform, der wie Hamlets Geist plötzlich aus die Versenkung kommt, Morgenluft wittert, und eben so plötzlich wieder verschwinden dhut. Vorgeschrieben wurde uns lange genug; jetzt wollen wir aber vor schreiben. Det is der Kasus kritikus über den wir uns lange nich vereinbaren konnten. Nach den Friedrichohainezug, die Minister-Umarmung in'n Kastanicnwald und de» Zcug- haAssturm, kriegte aber die Rechte det Reißen in die linke Seite, die Ministers gaben ihnen zwar The«; aber et half nischt — sie verloren die Stimmen. Ge» großer Theil iS wieder curirt mit een ganz eenfachet Mittel: een Vielen Wachsmuth von de Haraffowitzer Waldecke. Det wunderbare is dabei blos, det sie jetzt „Ja" sagen, wo sie früher „Nee" sagte»; un dadurch haben wir die Majorität, un die v orgeschriebne RegierungSform kommt in den Papierkorb. — So isset.

Brenneke. Ja wer'n denn aber die Provinzen damit zufrieden sind? Du weeßt doch, det Berlin nich Preußen is.

Nante. Det Hab ick so lange nich gewußt, bis et uns die Provinzen uf Bofsschct Löschpapier gedruckt „ein­sandten." Ick habe mir vorgcnommen, eenen Antrag bei die hohe Versammlung zu stellen, der dahin geht: bei jcdet neue Mandement die 16 Millionen Einwohner von Preußen, jeden einzeln zu fragen, ob er ooch damit zufrieden iS.

Brenneke. Diesem Antrag schließe ick mir an; denn ick befürchte, die Provinzen verlegen sonst den Land­tag nach Kyritz. Wat sagst Du denn zu die Menge Soldaten, die rings um Berlin liegen? Ob die ooch so'nen Geburtstag feiern wollen, wie die Hanoveraner in Schleswig?

Nante. Det hat nischt uf sich. Der Teitow'sche Landrath hat uns ja beruhigt. Nach seine amtliche Bekannt­machung holen die Soldaten blos die Nemontc zusammen, un wat der Tcltow'sche Landrath sagt, det können wir globen, denn der Teitow'sche Landrath issen sehr freisinniger Mann, un een sehr guter Freund von den Prinzen von Preußen, un von Prediger Heugstenbcrgen.

Brenneke. Ja denn muß et wahr sind. Aber wer beschützt denn euch National-Vcrsammeltcn da ihr euch doch die Bürgerwachctt und Studenten verbeten habt?

Nante. Erstlich sind wir unverletzlich, un zweetens hat die Versammlung an das Ehrgefühl von die Rehberger geappellirt, un also stehn wir unter die Nchberger ihren Schutz. Sie haben zwar noch kenne Waffen; aber der po­litische Clubb läßt Piken vor ihnen machen um den JacobiniSmnS uf die Spitze zu dreiben.

B r enneke. Wäre et nich besser Nante, wenn wir 'ne Republik hätten?

Nante. Ne Bruder; eenen König nu een paar Dutzend Prlnze und Prinzessinnen müssen wir haben; wer sollte sonst die Steuern verzehren, die dem Volke ausgequetscht wer'n?

Brenneke. I det Amt will ick verwalten.

Nante. Ja denn stimm' ick ooch vor Republik. Ick dachte blos et würde sich Keener finden, der sich dazu hergäbe, det ganze Jahr nischt zu dhun, als Millionen zu verkonsumiren. Ick wer die Angelegenheit in die nächste Sitzung zur Sprache bringen. — Unsere heutige is geschloffen. Adje! Ick will schlafen.

A. Hopf.

Berlin, 1848.

Verlag von Louis Hirschfeld, Charlottenstraße No. 15.

Druck von I. D r a e g e r tn Berlin.