Zur Zeit, als die Trümmer der heldenmüthigen polnischen Armee, welche auf preussischem Boden für den Augenblick ein AfyNgefunden hatten, ihre Blicke nach Frankreich wendeten, und mit dem Gedanken umgingen, dort als Kern derselben zusammenzutceten und fort und fort im Interesse des nun wieder unter der Knute schmachtenden theurcn Vaterlandes zu wirken, übernahm der große Held Bem die nöthigen Unterhandlungen, und brachte nach vielen Hindernissen und Schwierigkeiten eS so weit, daß ein Theil seiner Landsleute die Erlaubniß erhielt, sich auf Frankreichs gastlichem Boden niederlassen zu dürfen. —
Im Jahre 1835 ging Bem nach Portugal, um der gerechten Sache Don Pedro'S seine Kräfte zu widmen, kehrte nach dessen Tode nach Paris zurück, und betrieb, da er für den Augenblick seinem Vaterlands nicht besser zu dienen wußte, mit feiner bewunderungswürdigen Beharrlichkeit die Verbreitung und Verbesserung der Gedächtniß erlangenden sogenannten polnischen Methode, die denn auch in mehreren Anstalten daselbst Eingang gesunden hat. Die letzten Lebensjahre unseres Helden werden der neuen Zeit angchören, welche, mit der Februarrevolution beginnend, bestimmt scheint, der alten verrosteten Welt eine durch und durch veränderte Gestalt zu geben. Alles, waS er in ihr bis jetzt geleistet hat, ist Lei uns noch in frischer Erinnerung; cö bedarf also nur einiger Worte, um diese Lebenögeschichte bis auf unsere Tage zu vervollständigen.
Gleich nach seiner Ankunft in Wien organistrte Bem die Wehrmannschaft und wurde deren Kommandant. Nach dem Bombardement der unglücklichen Kaiserstadt wurde ein Preis auf seinen Kopf gesetzt; er rettete sich, indem er als Lohn- kutschcr, der eine österreichische Offizierösamilie durch die Linie fuhr, aus den Krallen deS blutdürstigen Windischgrätz, der nicht wenig Aerger bekam, als er hörte, daß ihm dieser fette Braten auf so schlaue Weise entschlüpfte.
Nach so viel Mißgeschick halte gewiß mancher Andere, besonders bei schon ziemlich vorgerücktem Alter, daran gedacht, von der Arbeit und den Mühen eines so bewegten Lebens auSzuruhcn. Der rastlose, heldenkühne Dem war anderer Ansicht, und begann so zu sagen eine neue militärische Laufbahn mit dem vollen Feuer und der Thätigkeit der Jugend. ES ist nur zu bedauern, daß die Nation, welcher er so ungeheure Dienste leistet, ihn nicht früher an die Spitze der bewaffneten Macht gestellt hak. Geht Ungarn siegreich auS dem Kampfe hervor, wie cs den Anschein hat, so verdient dieser fast unvergleichliche polnische Held einen der ersten Plätze unter dessen Befreiern. DaS Schicksal hat cö gewollt, daß vorzugsweise drei Polen jetzt die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen und die Neuzeit, die Freiheit, gegen die alte Zeit, den Absolutismus, zu Felde führen. Der alte DembinSki, dieser Tenophon unseres Jahrhunderts, ChrzanowSki und der unübertreffliche Bem; alle drei haben sich im letzten polnischen Krieg ausgezeichnet, und während ihrer langen Verbannung die unzweideutigsten Beweise ächter Vaterlandsliebe gegeben. Heute kämpfen sie für fremde Nationalitäten. Möchte der Gedanke sie durchdringen, daß LaS einzige Heil Aller in derjenigen Kraft liegt, welche der Enthusiasmus einer allgemeinen Freiheit den Völkern gibt.
Bem ist nicht groß, sein Gesicht und sein scharfer, durchdringender Blick jedoch ist der Ausdruck eines großen Geistes. Seiner Güter wurde er durch Rußlands Czaren beraubt, und in einer der letzten Schlachten wurde er an einer Hand der Art verwundet, daß ihm drei Finger abgenommen werden mußten. Er lebt ganz einfach und mäßig; in der Unterhaltung ist er voll Witz, seine Sprache ist laut und verständlich wenn gleich etwas schnell; sein ganzes Handeln ist rasch und voll Ueberlegung. Auf den Märschen unterhalt er sich gerne mit Soldaten, ja, er stimmt nicht selten in ihren Liedern mit ein. Er ist voller Menschenfreundlichkeit, deshalb lieben ihn seine Soldaten wie einen Vater und haben ein so unbegrenztes Vertrauen in sein Feldherrntalent, daß sie sich unter seinem Kommando für unüberwindlich halten. Was aber Bem in der neuen Kriegsgeschichte geliefert hat, kommt vielleicht in 1000 Zähren nicht mehr zum Vorschein. Er hat mit einer Hand voll undisciplinirter Truppen, die er sich erst abrichten mußte, die disciplinirteften Heere zweier mächtiger Kaiser, des von Rußland und des von Oesterreich total geschlagen und ganz Siebenbürgen vom Feinde gereinigt. Er, der unansehnliche, anfangs verachtete Mann, demüthigt jetzt mit der Allgewalt seines Geistes die Heere stolzer Kaiser und macht ihre Throne erschüttern. Wer denkt hier nicht an die wunderbare Fügung der Geschicke? Großer Gott! Doch ich muß schließen. Der große Held Bem wird fortleben in der Geschichte Jahrtausende hindurch; unsere Enkel und Urenkel werden ihn noch besingen und von seinen Großthaten erzählen, wenn an den blutdürstigen Windischgrätz lange Niemand mehr denkt.
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