Naturgeschichte der Perlenmuschel.

Alle Schaalthiere überhaupt machen zwey große Familien aus. Einige haben zwey und mehrere Schaalen, und diese heissen mir dem allgemeinen Nahmen Mu- sch eln; bey andern besieht die Schaale nur aus einem Stücke, und diese heissen Schnecken.

Es giebt verschiedene Arten von Muscheln, z. B. Scheidemuscheln, Tes, linen, Herzmuscheln, Korbmuscheln, Klaffmuscheln u. s. f. Die Per­lenmuschel gehört unter die Klaffmuscheln als eine Art derselben. Die Thier- chen, die in dieser Muschel wohnen, haben keinen abgesonderten Kopf, sondern cS ist nur eine kleine runde Erhabenheit über dem Munde zu sehen. Am Munde sieht man vier häutige Lippen ohne Kinnladen und Zahne. An ihrem Körper unterschei­det man den Fuß, der ihnen zur Bewegung dienet, und bald cylindrisch, bald sichelförmig ist. Den ganzen Körper umgiebt der Mantel, womit das Thierchen alle Zugänge des Wassers hindern kann. Im Mantel liegen zwey Luftröhren, durch deren vordere das Thierchen das Wasser einzieht, so wie es dasselbe durch die hintere Luftröhre hinausgehen läßt.

Die Perlenmuschel ist diekschaaligt, schwer. Sie ist langlicht eyförmr'g, an bey­den Seilen etwas offen, gegen die Mitte des ausscrn Randes eingebogen, und mit einer bräunlichen, groben und schilfrichen Röhre umzogen. Die Lange derselben be­trägt fünf bis sechs Zolle. Eine Muschel hat gemeiniglich mehr, als eine Perle. Man findet die Perlen nicht immer arr einem und demselben Orte in den Muscheln, und die schönsten Perlen kleben gewöhnlich an den Schaalen nach dem Rande zu, gemeiniglich da, wo ein anderer Wasserwurm Löcher hineingebohrt hat. Um ihn vom Eindringen in ihre Wohnung abzuhalten, schwitzen sie einen weisen Schleim vor die, se Oeffnung hin, woraus endlich Perlen werden.

Pcrlenmuscheln gibt es fast im allen Theilen der Welt. Die besten findet man auf dem sandigten Boden de» Meers um Asien herum und vorzüglich in dem Per- fischen Meerbußen. Sonst trifft man sie auch in Norwegen, Schweden, in Eng­land, in Böhmen, Schleßien, und in Sachsen u. s. w. an. Das Thierchen sitzt in der Mitte, und ist an jeder Schaale mit einer starken Sehne befestiget, vermit­telst welcher es die Schaale öffnen und verschließen kann.

Die Perlenmuschel» geben uns auch Perlenmutter, woraus man Stok-und Rockknöpfe, Dosen und andere Büchsen, Halsbänder und eingelegte Arbeiten macht.