Naturgeschichte des Affen.

Es gibt verschiedene Arten von Affen, unter denen der Orang Otttang oder Wald mensch, welcher manchesmahl sechs Fußhoch ist, der langatmige Af­fe, und der gemeine Affe, keine Schwänze, die Paviane, die Meerka­tzen und den Maki hingegen Schwänze haben. Sie leben alle nur in den heißen Gegenden von Asia und Afrika, die Meerkatzen ausgenommen, die nur in Amerika leben. Alle (besonders die ungeschwanzren, wie der Orang Outang und der langarmige Affe) haben ein glattes menschenähnliches Gesicht, auch Hände, Finger und Nägel, fast wie der Mensch, graubraune Haare, jum Theile auch große nackte Schwielen am Hintern, und Backentaschen am Kopfe. Sir fres­sen Reis, Hirsen, Citronen, Pomeranzen, Nüsse, und sonst allerley Feld - und Gartenfrüchte, bringen alle Jahre ein Junges zur Welt, welches die Weibchen auf dem Rücken fast eben so tragen, wie manche Menschen ihre Kinder, und werden zwanzig bis vierzig Jahre alt.

Sie wohnen in großen Haufen in den Wäldern, wie Kolonien beysammen, so, daß sich jeder Affe zu seiner eigenen Kolonie hält. Sie helfen einander, legen gemeinschaftliche Speisemazazine an, stellen Schildwachen bey ihren Räubereyen aus, und lvßen einander ab. Es sind sehr boshafte, diebische Thiere. Sie verwü­sten oft in einer einzigen Nacht ein ziemlich großes Reis - oder Hirsenfeld. Jeder von ihnen reißt aufs Geradewohl heraus, ohne zu sehen, ob der Reis zeitig ist, oder nicht/ Erst wenn er ihn bereits ausgerissen hat, betrachtet er ihn, und wirft ihn wieder weg, wenn er nnzeitig ist. Von dem zeitigen nimmt jeder einen oder zwey Stengel in eine Pfote, eben so viele unter die Arme, zwey oder drey in das Maul, hüpft nun so auf den Hinterfüssen fort, und verzehrt alles an einem sichern Platze. Wollen fie einen Baum ableeren, so schicken sie erst einen Kundschafter aus, der ihnen durch sein Geschrey verrathen muß, ob alles sicher ist; dann stellen sie Schild- wachen aus. Einige steigen auf den Baum, und werfen von da die Citronen, oder Pomeranzen u. dgl. den untenstehenden zu. Hinter diesen bilden die Andern eine lange Reihe, in der immer einer von dem Andern ein Stück auffängt, und fei- uem Nachmanne zuwirft. Der letzte wirst alles auf eineu Haufen. Von diesem an bilden sie eine neue Reihe, und liefern so den Raub an den Ort ihrer Bestimmung. Sie sind sehr gelehrig, lernen auf den Seile tanzen, die Trommel rühren,.exerci- ren und schießen. Holz tragen. Tanzen, u. s. f. und machen überhaupt äusserst gerne nach, was sie von den Menschen sehen. Durch diese Neugierde und diesen Nachahmungstrieb werden sie auch meistens gefangen. Man setzt z. B. unter dem Baume, worauf sie sitzen, ein Gefäß mit Wasser hin, und wascht sich das Gesicht; dann gießt man in das Gefäß Leimwasser, und geht weg. Nun kömmt der Affe so­gleich herunter, wäscht sich auch, und dabey kleben ihm vom Leimwasser die Augen zu, so, daß mau ihn leicht sauge» kann.