Naturgeschichte des Ziegenbocks.
Der Ziegenbock ist ein bey uns sehr bekanntes Thier. Er ist mit einem Barte und mit Hörnern geschmückt, und ist sehr munter, voller Laune, und ergötzt oft durch seine lächerlichen Sprünge. Die Hörner sind hohl, dünn, und krümmen sich meistens nach hintenzu. An der Kehle hat er zwey Zäpfchen, die oft zwey Zolle lang find, und sich ein wenig vorwärts biegen. Die Klauen sind gespalten. In der Farbe herrscht eine große Verschiedenheit; ee giebt weiße, schwarze, bunte und lichtgelbe Böcke. Der Bock ist in einem Alter von einem Jahre zur Fortpflanzung tüchtig, und kämpft oft gewaltig mit seinen Nebenbuhlern' Er kann, wenn er nicht geschlachtet wird, ein ziemlich hohes Alter erreichen. Er ist gar nicht kost, b«tr zu unrerhalten, und findet immer soviel Futter, als er braucht auf den Brach, feldern, und in den Gebüschen. Fruchtgegenden und fette Weiden sind ihm sogar schädlich. Laub von Birken, Baumrinden, Kohl, Rüben, Linsen, u. dgl. frißt er ungemein gerne. Alles Salzigte ist ihm sehr lieb. Daher leckt er oft an den Mauern, und verschmäht selbst die Tobakeasche nicht. Sonst ist er ein äusserst nützliches Thier. Man kann alles an ihm brauchen. Das Fleisch kann mau essen, die Haare werden mit andern Haaren vermischt, und zu Pernquen verbraucht. Der Talg giebt Lichter, die Knochen geben kleines Eeräthe, und mit den Fellen wird großer Handel getrieben. Man verfertigt daraus Beinkleider, Handschuhe, und besonders vortreflichen Corduan. *) Zur Verfertigung dieses Ccrduans sind indessen die Blätter eines Farbe. Baums, der in Spanien und in Frankreich wachst, unentbehrlich. Aus Asien kömmt der blaue und rothe, von Danzig der schönste schwarze, und von Venedig der weise Cord«an.
Cerduan ist eine Art Ledert, welches aus Lock nnd Ziegenfellen bereitet wk-vr-

