Naturgeschichte des Haushahnes.
Der HanShahn ist ein schönes, und merkwürdiges Thier. Seine Farbe ist ausserordenrlich verschieden, so, daß man fast bei, keiner Thierart eine solche Mannich, faltigkeit ankrifft. Die Federn haben mehrentheils einen besondern Glanz, und spielen, wenn die Sonnenstrahlen darauf fallen, mit ausserordentlichcm Farbenwechscl. Er hat einen langen, etwas gekrümmten Hals, große feurige Augen, einen großen und hochrothcn Kamm, und am Untertheile des Schnabels zwey rothe Lappen, die man nur den Bart nennt. Sein Schwan; ist gewöhnlich suhetförmig gekrümmt. Der Gang dieses Thieres ist langsam und stolz: es fliegt selten wegen seiner kurzen Flügel. Der Hahn krähet ohne Unterschied bey Tag und bey der Nacht. Indessen schließen doch die Landleute, wenn er an einem hellen Sommertage des Nachmittags krähet, auf bald:« gen Regen, und die Alten brauchten ihn, weil sie noch keine Uhren harten, zur Bestimmung der Zeit, da er gewöhnlich gegen Anbruch des Tages krähet. Auch hielten die heydnischen Völker eö für ein sehr günstiges Vorzeichen, wenn ein Hahn krähere. Um fein Futter zu suchen scharrt, er in der Erde, verschlinget fast eben so viele kleine Kiesel, als Körner, und verdaut alsdann am beßten. Wenn er trinkt, nimmt er das Wasser in seinen Schnabel, und hebt jedesmahl seinen Kopf in die Höhe, um e» hin, unter zu schlucke». Er schläft gemeiniglich mit einem aufgehobenen Fuße, indem er den Kopf unter den Flügel eben derselben Seite verbirgt. Man bemerkt allgemein, daß der Haushahn um feine Hühner sehr besorgt ist. Er verliert sie nie aus den Augen, begleitet und vertheidigt sie, drohet ihnen zuweilen, sucht die verlaufenen auf, bringt sie, wieder zusammen, und genießt sein Futter nicht eher mit Vergnügen, als bis er seine Heerde um sich her fressen sieht. Wenn ein fremder Hahn sich sehen läßt, so läuft er ihm mit feurigen Augen und emporstehenden Federn entgegen, fällt seinen Nebenbuh, lec an, und streitet im hartnäckigsten Kampfe so lange, bis einer oder der andere unterliegt , oder bis der fremde Hahn den Kampfplatz verläßt. Der Sieger krähet gewöhn, lich, nachdem er seinen erfochten hat, da im Gegentheile der überwundene still sich weg«
beziebt. Sind mehrere Hähne in einemHofe, so wird der Besiegte dem Stärker» in der Folge gewöhnlich ausweichen. Die Streitbarkeit der Hahne, und die unüberwindliche Abneigung, die sie gegen einander haben, suchte man sowohl in ältern, als in neuern Zeiten verschiedentlich zn reizen, und zu mancherley Vergnügungen anzuwen- den. Schon die Griechen und Römer liebten die Hahnengefechte. Heut zn Tage sind die Engländer und Italiener leidenschaftliche Liebhaber derselben. Um die Hahne juin Kampfe zu reizen, darf man ihnen bloß ihre heroische Figur in einem Spiegel zeigen, und sie dann gegen einander loslassen.

