schlingen die Schlangen oft Thiere, die noch einmahl so dick, als sie selbst sind. In den Kinnladen sind meistens spitzige Zähne, womit sie ihre Beute fest halten. Ihre Zunge ist schmal und gespalten.
Verschiedene Schlangen haben, außer erwähnten kleinen Zähnen, größere Gift- zähne in ihrem Munde vor der obern Kinnlade. Auf jeder Seite liegen zwey Giftzähne, deren jeder in einem festen Knochen eingelenkt ist, und sowohl durch die Bewegung der untern Kinnlade, als auch durch eigne Muffeln ausgestreckt und zurück gezogen werden kann; sie sind hohl, und liegen in einem besondern Beutel. Das Gift wird in einer Drüse, die auf beyden Seiten der Kinnladen liegt, bereitet, und vermittelst der Bewegung der Kinnladen und der Musteln durch einen Ausleerungsgang in die Giftzähne, und Lurch deren Biß in die Wunde, wo es gefährliche oft tödliche Wirkungen hervor bringt, gebracht.
Dieses Gift wirkt vorzüglich auf die Nerven, und ist zwar nur alsdann tödtlich, wenn es in eine Wunde durch den Biß gebracht wird, kann daher auch ohne Todesgefahr eingenommen werden; doch ist es scharf und ätzend, erregt auf der Zunge Entzündungen, und schadet wohl nur deßwegen nicht, weil dessen Gift durch Speichel, Galle und andere Säfte gemildert wird.
Den Schlangen sind ihre Giftzähne und ihr Gift zur Bewältigung und Verdauung ihrer Beute, die sie ungekauet verschlucken, nützlich.
Die Schlangen legen im Früjahr ihre alte Haut ab, und unter derselben hat sich im Winter eine neue gebildet, die oft in Farben von der vorigen abweicht. Man hat noch nicht die Zeit bestimmen können, wie lange die Schlangen wachsen , und es scheint, sie wachsen so lange, als sie am Leben sind. Auch ihr natürliches Alter läßt sich nicht bestimmen. Sie schlafen spiralförmig zusammen gewunden, und in kalten Gegenden erstarrt den ganzen Winter durch an versteckten Orten.
Die Schlangen nützen dadurch , daß sie viel Gewürme , Jnsectcn und andere überflüßige Thiere vermindern, und wieder selbst andern Thieren z. B. dem Storch, rc. zur Nahrung dienen- Das Fleisch einiger unschädlichen Schlangen wird von den Indianern gegessen, und die Brühe einiger Nattern gibt eine kräftige Arzeney. Auch die Schlangcnhaut wird zu mancherley Absicht nützlich angewendet.
Die Riesenschlangen.
Diese Schlangen, die nur außer Europa gefunden werden, sind wegen der Schönheit ihrer Haut eben so merkwürdig, als wegen ihrer ansehnlichen Größe, worin sie alle Schlangen der übrigen Gattungen übertreffen. Man trifft unter diesen Riescn- schlangen keine einzige giftige Art an ; obgleich die meisten darunter wegen ihrer langen und scharfen Zähne ungeheure Wunden betffen, auch sonst wegen ihrer außerordentlichen Stärke und wegen ihrer Gewohnheit, sich um die Körper der Menschen und Thiere herum zu schlingen, sehr gefährlich werden können.
Die größte und merkwürdigste Art (F ig. i.), welche gemeiniglich Rönigsschlan- ge, Schlangenkonig, Lüffelschlange, und Abgottschlange (bor conttriüor), genannt

