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unser Frühstück nicht einen Augenblick ausgehalten werden, eS soll früher in Ihrem Hause seyn, als Sie selbst. Komm hier­her, Pedro, rief er den mit der Geldkatze Eintretenden, bezeich­nen Sie ihm gefälligst Ihre Wohnung genau, Don Diego. Gut so, mache dich gleich auf und wechsele unterwegs bei Freunden dein Maulthier, sobald es ermüdet ist. Uebergieb die Geldkatze Donna Jsabella, und sage ihr, Don Diego frühstücke nur erst noch fröhlich mit FranciSco Esteban; ein Stündchen nach dir werde er wohlbehalten eintreffen, denn du habest unterwegs allen Pfarrern und Mönchen empfohlen, für ihn und die armen Seelen im Fegefeuer zu beten.

Pedro machte sich augenblicklich davon. Wenn das Pferd des Herrn versorgt ist, so kommt zum Frühstück, Kameraden, rief FranciSco, und damit zog er Diego nieder an seine Seite. Die anderen Räuber setzten sich ebenfalls und Jedermann ließ sich'S herrlich schmecken, denn auch Diego erinnerte sich aller der guten Geschichten von der Ritterlichkeit des Francisco Esteban und der gute Wein von Valdepennas schwemmte bald seine letzte Bedenklichkeit hinweg.

Sagen Sie mir, Don Francisco Esteban, fragte er den Räuber, wie finden Sie Ihre Rechnung, wenn Sie alle Reisen­den bewirthen, statt

Statt sie zu berauben? ergänzte Francisco. Ja, Don Diego, das geschieht nur an Sonntagen, wie heute. In den Wochentagen müssen wir allerdings arbeiten, wie jeder ehrliche Mann, besonders mit solchen Leuten, rvelche sich nie der armen Seelen im Fegefeuer erinnern. Doch ganz ausgeraubt wird Niemand, sondern stets mit gebührender Artigkeit behandelt und behält so viel Geld, daß er seine Reise ruhig vollenden kann. Armen Leuten aber nehmen wir nichts.

Und tödtet ihr Niemanden?

Nein, nur die, welche sich zur Wehre setzen. Doch auch denen singen wir ein cke profundis über ihrer Leiche, be­statten sie ehrlich und pflanzen ein Kreuz auf ihr Grab. Wir sind gute Christen, Don Diego, und wir wissen, daß

das Sterben schwer ist, fügte er nach einer Pause nachdenklich II hinzu.

Da erinnerte sich Diego des allgemeinen Volksglaubens, der da erzählt, daß Francisco Esteban, der Neffe beS jüdischen KönigS Salomo, des Sohnes David'S, schon vor vielen tau­send Jahren vor dem assyrischen König Nebukadnezar nach Spa­nien geflohen sey, wo ihn die Räuber in den Gebirgen zu ihrem Anführer erwählten. Seitdem ist er viele, viele Male von der Justiz gefangen und aufgehängt worden, aber stets wieder auf­erstanden, denn der Neffe Salomo's ist unsterblich. Zweifelnd sah Diego den sinnenden Don Francisco an, dann fragte er feierlich: Sind Sie denn wirklich schon so oft gestorben, Don Francisco Esteban?

Ja, wir sterben alle Tage, sagte der Räuber ernst, denn ! wir wagen alle Tage unser Leben. Was aber den Glauben der Bauern anlangt, Don Diego, so kann ich Ihnen wohl ohne Besorgniß die Wahrheit erzählen. Der Bauer läßt doch nicht von seinem Glauben, wenn auch Sie oder ich selbst ihm sagen, daß er Lügen glaubt. Aber dieser Bauernglaube nützt, denn die Bauern unternehmen nichts gegen uns, weil sie mich für unsterblich halten. Darum lassen wir sie gern dabei und befe­stigen ihre Narrheit stets dadurch, daß immer ein ganz fremder, frischer, junger Kerl zum Anführer gewählt wird, wenn der alte Hauptmann gehängt worden oder sonst umgekommen ist. Der neue Anführer nennt sich wieder, wie der alte, Francisco Este­ban und so glaubt denn das Volk steif und fest, daß jeder Tod den Neffen Salomo's nur neu verjüngt und stärkt.

Doch jetzt noch ein Glas, Don Diego, auf das Wohl von Donna Jsabella, dann geleiten wir Sie durch die nächsten Schluchten, wo eine Bande von gemeinen Dieben haust, die, wie man sagt, die Reisenden selbst am heiligen Sonntag nicht verschont. Wir thun jeden Sonntag ein solches gutes Werk zum Ersatz für das Böse, welches wir oft in der Woche thun müssen. Außerdem geben wir den Zehnten von unserer Ein­nahme den Armen der Umgegend, und hören jeden Sonntag >!

unsere Messe. Deßhalb müssen wir aber auch jetzt aufbrechen, denn eS ist noch weit bis zur nächsten Kirche.

Diego fand draußen fein Pferd bestens gefüttert und ge­putzt, ein Räuber führte eS ihnen noch durch Schluchten und Gebirgswege, näher als die Landstraße, wie Francisco versicherte. Gegen Mittag erreichten sie die Kirche.

Es ist besser, wenn Sie nicht mit uns in der Kirche ge­sehen werden, Don Diego, sagte der Räuber. Schlagen Sie diesen Weg ein, dann sind Sie bald auf der Landstraße. Wei­terhin bis nach Hause haben Sie Nichts zu besorgen, wir beten hier für Sie und Sie reiten leichter und sicherer ohne die schwere Geldkatze. Gott geleite Sie, Don Diego, denken Sie manchmal an die BandoleroS und beten Sie zuweilen für die armen Seelen im Fegefeuer.

Damit zogen die Räuber andächtig den Hut und traten in die Kirche.

Als Diego sich wieder allein auf der Landstraße sah und die Weinlaune nach und nach im Winde verwehte, da wurde er doch wieder zweifelhaft und dachte besorgten Herzens an seine Geldkatze. Ungeduldig spornte er sein Pferd, um bald Gewißheit zu haben und am Abend des andern Tageö sah er daS Meer glänzen und bog klopfenden Herzens um die Mauer seines Gartens.

Donna Jsabella war ihm bereits entgegen geeilt, auf dem Arme ihr kleinstes Kind, daS sie ihm jubelnd auf'S Pferd reichte. An der Mauerecke stand Pedro in seinen Mantel gehüllt, Flinte und Hund neben ihm, rauchte er ruhig seine Cigarre.

Hast du das Geld bekommen, Jsabella? war Diego's erste Frage.

Ei ja wohl, Don Pedro ist schon seit zwei Stunden hier. Du hast doch recht gehabt, mein süßes Herz, so viel Geld hättest du hier nicht für deine Stiere bekommen.

Diego nahm den Hut ab und nickte Pedro zu.Jsabella, sprach er, von nun an beten wir täglich für die armen Seelen im Fegefeuer."