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zuletzt leichtsinnig die Frage auswarfen: ob wohl jemand den Muth besitzen möchte, nach dem Hochgerichte zu gehen, um noch in heutiger Mitternacht die bevorstehende Hinrichtung anzumel­den, und zum Zeugniß, daß er dort gewesen, einen Spähn aus dem Galgen zu schneiden und mitzubringen?

Es thut es keiner!" rief der Wachtmeister,denn solches Zeug am Galgen und Rabenstein ist schlimmer, als der Schwede und der Torstensohn! Ich setze diesen Beutel Geld zur Wette, es thut es keiner!"

Alle schwiegen, denn es fuhr ihnen ein kaltes Grausen durch die Glieder. Endlich aber trat Judith auf den Tisch zu, die Wangen waren bleich wie die Wand, die Augen aber funkelten wie Feuer, und erbot sich, das Wagestück zu bestehen, insofern der Wachtmeister sein Wort halten wolle!

Mädchen!" rief der Wachtmeister,du wirst doch nicht des Henkers sein und den eignen Bräutigam am Galgen anmelden wollen? Bei Gott! das bist du nicht im Stande!"

Judith aber beharrte darauf, sie erbot sich, da es schon spät in der Nacht war, sofort, nach dem Hochgerichte zu gehen, welches außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe lag, und bat nur, daß man ihr ein Messer mitgeben möchte, womit sie den Spähn aus dem Galgen schneiden könnte. Der Wachtmeister riß das seinige aus dem Gürtel, gab es ihr und Judith eilte in die Nacht hinaus.

Es war eine finstre, stürmische Nacht, in der wohl Wenige den Muth gehabt haben würden, einen solchen Gang zu thun, aber ein reines Herz, daß sich keiner Schuld bewußt ist und ein anderes ebenso schuldloses Leben retten will, und eine Liebe, die nicht an sich denkt, sondern zu jedem Opfer für das geliebte We­sen bereit ist, sind erhaben über alle Furcht, und unterdrücken selbst das fast unbesiegbare Grauen vor übernatürlichen Gegen­ständen. Judith ging raschen Schrittes aus dem Thore hinaus und der Richtstatt zu, unter ihrem Mantel hielt sie das große