Die WmMHredigt
beginnen die Reihe der Bilder aus der Missionswelt, welche wir dem Kreise der MissionSfreunde in unserem Bilderbuche vorführen, mit einer Scene aus der alten ' Missions-Geschichte, deren Schauplatz außer den übrigen Ländern des Mittelmcers die europäische Heimath vorzüglich war. Wir möchten auf diese Weise unsere Freunde gleich am Eingang unseres Buches nachdrücklichst daran erinnern, daß auch unsere Voreltern Heiden gewesen sind und die europäische Welt das, was sie von Erleuchtung, Heil, Segen und Herrlichkeit vor der übrigen Welt voraus hat, alles in letzter Beziehung der Mission, der Predigt des Evangeliums und dem Glauben an den Herrn Jesum Christum, den Herrn der Herrlichkeit, verdankt.
Wir hätten ein Bild aus der Missionsgeschichte Deutschlands an die Spitze stellen können; wir habe» es aber bei dem Bilde gelassen, welches das englische Originalwerk voranstellt, weil dieses Bild an die Bekehrung desjenigen europäischen Volkes erinnert, dem auch das deutsche Vaterland vorzugsweise die Segnungen des Christenthums verdankt, und welches in unieren Tagen mehr als jedes andere Volk der Erde für die Verbreitung des Wortes Gottes in den Heidcnländcrn gethan hat.
Unser erstes Blatt stellt einen Missionar dar, wie er den alten Briten (den heidnischen Bewohnern deS alten Englands) das Evangelium verkündigt. Ein Häuflein Bri- tannier mit Einem ihrer Priester, welche man Druiden nannte, ist vor einem ihrer Tempel um den christlichen Prediger versammelt und der Knecht Gottes redet zu ihnen von dem zukünftigen Gericht und von der Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen ist. Viele solche Boten des Heils besuchten in alter Zeit die Gestade Großbritanniens und durch ihr
Wort wurden unter dem Segen des Hauptes der Gemeinde die wilden Bewohner dieser nun weltberühmten Insel von der Finsterniß zum Licht geführt.
Nach den Berichten des Kircheu-Vaters Eusebius sollen schon einige der Apostel über den Ocean zn den Inseln gezogen sein, welche die britischen genannt werden, und der Kirchenvater Theodorct schreibt, daß der Apostel Paulus auch den Inseln, die im Ocean liegen, das Heil gebracht habe. Auf Grund dieser ganz allgemein gehaltenen Nachrichten haben Manche annehmen zu dürfen geglaubt, daß der Apostel Paulus selbst das Evangelium in Großbritannien verkündigt habe. Der englische Kirchengcschichtschreibcr Bcda dagegen berichtet, daß ein britischer König, Namens Lucius, den römischen Bischof Elen- theros in den letzten Zeiten des zweiten Jahrhunderts aufgefordert habe, ihm Missionare zu senden. Die Eigenthümlichkeit der späteren britischen Kirche spricht jedoch nicht für ihren Ursprung von Rom her. Sie stimmte nämlich, in ihren gottesbicnstlichen Einrichtungen nicht mit der römischen, sondern mit den kleinasiatijchen Gemeinden »bereut und widerstand lange dem Ansehen der römischen Kirche. Dieß scheint darauf hinzudeuten, daß die Briten entweder unmittelbar oder von Gallien (Frankreich) aus*) das Christenthum aus Kleinasien empfangen haben. Wie dem auch sei, so viel geht aus allen Berichten der alten Kirchengcschichtschreibcr mit Gewißheit hervor, daß schon am Ende des ersten Jahrhunderts, jedenfalls im zweiten Jahrhundert, die heilbringende Erkenntniß Christi nach den britischen Inseln gebracht wurde und unter den heidnischen Bewohnern derselben
*) Wo durch kleinasiatische Coloniccn und Lehrer sehr frühe blühende Christengemeinden entstanden waren.

