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„Kinder, macht euch auf! — rief Sigebert — Ihr müßt sogleich zur Muhme — er will uns ihre Liede stehlen! Es sind 6 Stunden dahin und ist schon spät' am Tage; aber ihr gehl bis nach Thalübcr zum Pa- thcn Hollmann; dort schlaft ihr ein wenig und geht früh, ganz früh durch den Wald. Es ist freilich von dort der Weg schwerer zu finden. Aber wenn ihr nur erst den guten Wegweiser habt — grüßt ihn, Kinder! grüßt ihn ja! — so konnt ihr nicht fehlen."
Und die Kinder waren sogleich marschfertig und wanderten wohlgemuth daö schöne Thal hinauf, das nach dem Walde führt.
Wie wurden sie fröhlich, wie wurden sie frisch und ließen die großen Augen in das Weite schweifen! — Eine Reise zu machen, nachdem sie so lange an die Schulbank und an den.Broterwerb gefesselt waren! Und wie waren sie stolz! denn diese Reise war zugleich ein Geschäft, das sie auszuführen hatten, und ein wichtiges, ja ein gefährliches! „Der Hadumann will uns ihre Liebe stehlen!" Dieses Wort kam ihnen oft in die Gedanken, lief ihne> über die Zunge und beflügelte ihre Schritte. Sie ver standen nicht, was der Vetter Hadumann eigentlich wollte: das Geld der Muhme, die Erbschaft erschleichen; au so etwas dachten die Arglosen gar nicht. Daß er aber BöseS im Sinne hatte, Böseö gegen sie und gegen die Muhme, und daß die Muhme gefährlich krank war, das hatten sie wohl gemerkt.

