lesen zu dürfen, denn es sind gewiß seltene Sachen; aber er! er sitzt und raucht, und läßt Bücher — Bücher seyn. Wäre ich der Scheik Ali Banu, der Kerl müßte mir vorlesen, bis er keinen Athem mehr hätte oder bis die Nacht heraufkäme; und auch dann noch müßt' er mir lesen, bis ich entschlummert wäre."
„Ha, ihr wißt mir recht, wie man sich ein köstliches Leben einrichtet," lachte der vierte, „essen und trinken, singen und tanzen, Sprüche lesen und Gedichte hören von armseligen Dichtern. Nein, ich würde es ganz anders machen. Er hat die herrlichsten Pferde und Kameele und Geld die Menge. Da würde ich an seiner Stelle reisen, reisen bis an der Welt Ende, und selbst zu den Moskowitern, selbst zu den Franken. Kein Weg wäre mir zu weit, um die Herrlichkeiten der Welt zu sehen; so würde ich thun, wäre ich jener Mann dort."
„Die Jugend ist eine schöne Zeit und das Alter, wo man fröhlich ist," sprach ein alter Mann von unscheinbarem Aussehen, der neben ihnen stand und ihre Neben gehört hatte; „aber erlaubet mir, daß ich es sage, die Jugend ist auch thöricht und schwatzt hie und da in den Tag hinein, ohne zu wissen, was sie thut."
„Was wollt Ihr damit sagen, Alter?" fragten verwundert die jungen Leute; „meinetIhr uns damit; was geht es Euch an, daß wir die Lebensart des Scheik tadeln?"
„Wenn einer etwas besser weiß als der andere, so berichte er seinen Irrthum, so will es der Prophet," erwiderte der alte Mann; „der Scheik, es ist wahr, ist gesegnet mit Schätzen und hat alles, wonach das Herz verlangt, aber er hat Ursache, ernst und traurig zu seyn. Meinet ihr, er sey immer so gewesen? Nein, ich habe ihn noch vor fünfzehn Jahren gesehen, da war er munter und rüstig, wie die Gazelle, und lebte fröhlich und genoß sein Leben. Damals hatte er einen Sohn, die Freude seiner

