39
ich kannte Melanits edles Herz und wußte wohl, daß sie denselben erfüllen würde. Ich hätte so gern meine Hände gefaltet und wäre vor ihr niedcrgckniet um sie z» bitten, daß sie mich nicht von sich geben möchte. Aber wir Puppen find nun einmal stumm und regungslos geschaffen, und können kein Gefühl äußern. Diesmal wären meine Bitten auch wohl umsonst gewesen, denn Paulas erstarrte Hände waren noch zu sehr im Gedächtniß, und Melanie war bereit das Opfer zu bringen. Nachdem sie sich einige Augenblicke besonnen, während welchen sie mich zärtlich ansah, fiel sie der Mutter um den Hals und sagte: „Ich will mein Röschen verkaufen!" Der Mutter trat auch eine Thräne ins Auge, es war aber eine Freudenthräne über ihr gutes Kind; sie ging zur Thür hinaus. Als Melanie mit mir allein war, da war eS das zweite Mal, daß ich sie weinen gesehen. „Armes Röschen", sagte sie, „da geht es uns ja doch wie sonst den armen Negersclavcn, wir werden getrennt! In wessen Hände wirst du nun kommen? Wer wird dich so lieben wie ich? — so pflegen und warten und so schön ankleiden? Armes Röschen!" — und sie weinte immer mehr. Eine Thräne fiel auf meinen Hals und machte ein kleines Fleck, ich war aber nicht bös darüber, dieses Fleck sollte mir stets ein heiliges Andenken sein.

