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müsse es gestohlen haben, und Niemand wunducke sich darüber, denn ein Sprüchwort sagt: „wer lügt der stiehlt." Die Lügnerin konnte noch so sehr ihre Unschuld betheuern, niemand glaubte ihr; wie konnte man auch, da sie oft gelogen hatte. Sie wnrde also eingesperrt bei Wasser nnd Brod bis sie gestanden hätte wo alle die Sachen waren. — Diesmal konnte sie aber nichts gestehen.
Da wurde aber in einem Nachbarshanse ein Boden aufgeräumt, da fand man ein großes Nest, in diesem Neste lagen alle die gcstohlncn Sachen. Ein zahmer Rabe hatte das Gold blinken sehen, als er sich auf einem Baume nicht weit vom Fenster geschaukelt hatte. Die Nabe» lieben das Glänzende, und so hatte er die schönen goldenen Sachen gestohlen; denn ein Rabe kann zu den Fenstern des höchsten Stockwerks hinein. •— Die arme Lügnerin hatte aber vier Wochen im Gefängniß gesessen bei Wasser und Brod; sie war ganz bleich und mager geworden, und ihre Augen waren ganz matt vom Weinen und doch bedauerte sie niemand. „Warum lügt sie auch immer?" sagte man; „Niemand kann ihr glauben." Da nahm sie sich vor nicht mehr zu lügen.

