bis seine ängstlichen Freunde furchtsam davonschlichen. Als er den Landungsplatz verlassen hatte, waren sie wieder da und erwogen miteinander, wie sie den Drachen versöhnen könnten, damit er das Thal nicht strafe für Li-hung-changs unehrerbictige Reden.
Es verging eine Woche; gleichmäßig heiß brannte die Sonne, kein Wolkenschleier war über den Bergen, kein Tau fiel zur Nachtzeit. Die Bäche trockneten aus, die Erde spaltete sich in klaffende Risse, der Fluß wurde zum kläglichen Rinnsal. Überall herrschte Sorge und Not.
Li-hung-chang kehrte von seiner Reise zurück, finsterer und trotziger denn je. Vor der Thür saß sein Mütterchen, sonnte sich und sagte: „Schön Wetter!" Er würgte die Worte hinunter, zu denen ihr urteilsloses Gerede ihn reizte, und erkundigte sich teilnehmend nach ihrem Ergehen; dabei ward seine Stimme ganz weich, und die Augen blickten mild und freundlich. „Wo ist das Kind?" fragte er nach einer Weile, die Abwesenheit der Tochter gewahr werdend.
„Die Menschen sind immer ungenügsam," begann die Alte in selbstzufriedenem Ton, „sie hadern mit der lieben Sonne, die mir so wohl thut, und wollen Regen haben. Da sind nun all die Großen an den heiligen See gepilgert, um nach den üblichen Opfern heiliges Wasser zu holen und mit ihm die Felder zu gießen, damit der gütige Drache ein Gleiches thue. Dein Töchterchen, Sohn, haben deine Freunde geholt, damit es helfe, das Wasser sprengen. Ich selber zog ihm das weiße Trauergewand an."
Da stürzte Li-hung-chang davon; er wollte nicht dulden, daß sein Kind dem Drachenkönig göttliche Ehre erweise.
Aber er kam zu spät. Schon waren die Opfer gebracht, schon war das heilige Wasser vor dem Tempel des Drachen ge-

