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„Ihr habt mich getäuscht!" wiederholte sie; dann aber wurde sie ganz schwach und lag da stumm und gebrochen.
Trautchen begoß schnell das Büumchen; doch es war wie ein gescholtenes Kind und wollte nichts nehmen. Ähnlich ging es den zweiten Tag und den dritten, und dann war das Pslänz- chen erstorben, ganz und gar. Seine Blüttchen waren spröde wie Glas und zerfielen in Pulver, sobald man sie berührte; auf den abgefallenen Blüten aber lag der tote Vogel.
Nun kamen schreckliche Tage. Frieda weinte, schluchzte, schrie: „Ich will gesund sein wie andere; ich trag' es nicht mehr! Ich will, ich will! — Oder laßt mich sterben!" Aber nach jedem Ausbruch der Ungeduld mehrten sich ihre Schmerzen und ihre Schwäche; nur nachts schlief sie den Schlaf der Erschöpfung. Trautchen brach fast das Herz bei so viel Jammer, und doch konnte sie nicht helfen.
Einmal, als sie vor dem eigenen Schlafengehen noch der entschlummerten Schwester Hand hielt und ihr in das blasse, schmerzvcrzerrte Gesicht schaute, dachte sie bei sich: „Ach, hätte sie nur das Krüutlein Geduld!" Im gleichen Augenblick flüsterte auch Frieda im Traume: „Ach, hätt' ich es wieder, das Krüutlein Geduld!"
Da sprang Trautchen auf, von froher Hoffnung erfüllt, schlich sich hinaus in die Nacht und suchte furchtlos das Schloß der Fee Benigna, das weit hinten im Walde lag. Dort angekommen, warf sie sich der hohen Frau zu Füßen und sprach: „Zürne mir nicht, daß ich in der Nacht dich suche, o gütige Fee! Meiner Schwester Bäumchen ist verdorrt, und sie vergeht ohne das Krüutlein Geduld. Ach, ich flehe dich au, verzeihe ihr, daß sie es nicht genugsam gepflegt hat — sie leidet, wie wohl noch nie ein Kind gelitten hat — gieb ihr ein neues Büumchen."

