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Als Trautchen sich niederbeugte, um sie zu küssen, wandte Frieda sich ab; die Hand wollte sie der Schwester auch nicht geben, und es ward mit ihr schlimmer denn je.

Kaum war Frieda am Abend eingeschlafen, da lief Traut­chen wieder zu Benigna, die eben ihr Schloß verlassen wollte.

Verzeihe mir," bat sie demütig,daß ich gestern auf deinen Rat nicht hörte; meine Unbesonnenheit wurde hart bestraft. Doch nun steh' mir bei, o gütige Fee, damit ich meiner Schwester das Kräutlein bringe. Ach, ich kann's nicht schaffen in einer Nacht; denn der Weg ist weit, und tagsüber kann ich nicht fort von der Kranken."

Und Pachyps ist eine Hexe," sagte Benigna.

Ich fürchte sie nicht!" entgegnete Trautchen.

Die Fee sann nach, dann gab sie dem Mädchen zwei Büchsen und sprach:Sieh' her! Hierin ist eine weiße Salbe; so du mit ihr Friedas Augen bestreichst, werden sie so lange im Schlafe geschlossen bleiben, bis du den Bann von ihr löst durch Bestreichen der Augen mit jener zweiten rosenfarbenen Salbe, lind dir, Trautchen, gebe ich zum Schutz dieses Kreuz; greise danach, wenn du der Stütze bedarfst."

Sie schlang eine Kette um des Mädchens Hals, woran ein schlichtes Kreuz hing; dann stieg sie in ihren Muschelwagen und fuhr südwärts davon, während Trautchens Ziel nordwärts lag.

Trautchen lief nach Hause, strich von der weißen Salbe auf Friedas Augen und schloß die rosenfarbene in die Schub­lade des Nachttischchens, damit sie ja nicht verloren ginge. Schnell war sie reisefertig; mit dem Strohhut am Arm, den sie zur kühlen Nachtzeit nicht brauchte, trat sie noch einmal an Friedas Bett und küßte das arme Schwesterchen aus den bleichen Mund.