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Um die Mittagszeit kam sie an einen Fluß, und als sie hinüberschaute, gewahrte sie in der Ferne, am Ende einer Lichtung, ein Häuschen. Ihr klopfte das Herz, freudig und bang; sie stieg in ein Boot, das am Ufer lag und ruderte hinüber. Der Wald war jenseits seltsam verändert. Viel trockenes Laub lag am Boden und raschelte bei jedem Schritt, keine Blumen blühten am Wege, keine Vogel sangen in den Zweigen, hier und da wand sich eine Schlange durch gelbes Moos oder blähte sich eine Kröte.
Plötzlich trat aus dem Gebüsch ein Weib von erschreckender Häßlichkeit, dem Bösartigkeit und Schadenfreude aus den grünlichen Augen leuchteten. Es trug grausigen Schmuck zu seinem feuerroten Gewände: Knochen steckten in den Ohren, aufgezogene Tierzähne bildeten eine Halskette, ein paar tote Schlangen waren die Armbänder. Auf die dicken, wulstigen Lippen hatte es weiße Perlen geheftet, die quollen hervor, daß es aussah, als trüge es die Zähne draußen. Ein Diadem von Fliegenpilzen steckte in den borstigen, schwarzen Haaren; in die nackten, sehnigen Arme aber und die entblößte Brust waren mit tiefblauer Farbe krause, untre Zeichen tättowiert.
Trautchen erschrak, doch faßte sie sich und fragte freundlich: „Bist du die Pachyps?"
Die Alte nickte grinsend und griff nach ihrem Arm. Trautchen trat einige Schritte zurück und legte die Hand an das Kreuz auf ihrer Brust. Die Alte hüstelte. „So, so, giebt nichts zu stehlen; schade, schade!" knurrte sie: dabei schien sie mit ihren Blicken das Mädchen verschlingen zu wollen. „Was willst du denn, Schatz?" fragte sie näselnd.
„Ich will wissen," sagte Trautchen, „ob du das Krüutlein Geduld in deinem Garten hast."

