Die Alte führte sie in den Garten und zeigte ihr das. winzige Pflänzchen.

Es ist gar lieb," sagte Trautchen,und ich brauche es. Was verlangst du dafür?"

Dein Kreuz und du erhältst die Schönheit mit in den Kauf," stieß die Alte hastig hervor,deine Schönheit, Schätz- chen, deine Schönheit!" schmeichelte sie.

Du kennst mich," erwiderte Trautchen und küßte das Kreuz.

Närrin!" brüllte das Weib.Du thörichte Tugend, nun so gieb mir deine Jugend."

Gern," sagte Trautchen,nimm sie hin!"

Da machte die Alte einen tiefen Schnitt in Trautchens rechten Arm, und des Mädchens Blut floß aus das Beet zu seinen Füßen. Trautchen verlor das Bewußtsein; aber die Hände ließen das Kreuz nicht los. Als sie wieder die Augen aufschlug, stand ihr zu Füßen ein Maiglöckchen, fast Knospe noch; die zarten Blüten zitterten an dem schlanken Stiel und erklangen wehmütig leise. In ihrer Hand aber war schon das winzige Pflänzchen, das sie sich erkauft.

Hebe dich fort!" befahl die Hexe rauh.Wir haben nichts mehr miteinander zu schaffen; du findest den Weg schon allein." Hinter dem Mädchen her aber rief sie wieder:Die Tugend trügt gestohlenes Gut."

Trautchen kam an den Fluß und fuhr hinüber. Sie hatte unterwegs gar manches bemerkt, was ihr das Herz schwer machte: ihre Hände waren knochig und welk, die Füße und Beine steif, der Mund war zahnlos, die Augen thränten be­ständig; aber es grünte und blühte in ihrem Herzen, so oft sie Friedas gedachte, die nur das Kräutlein zu retten vermochte.