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Am andern Morgen war sein erster Gang zu der Spinne. Siehe da, auch in der Nacht hatte sie gearbeitet, denn das gestern kaum halbfertige Netz war heute ganz vollendet, und vergnügt saß die Spinne in ihrem zart gewobenen Häuschen, das sie ihrem unermüdlichen Fleiße verdankte.
„Das ist bewunderungswürdig!" sagte Ferdinand vor sich hin. „Wahrlich, der Mensch, der hochmüthige, stolze Mensch, der sich so unendlich weise und erhaben dünkt, könnte von diesen verachteten kleinen Geschöpfen lernen, was Geduld und Ausdauer zu vollbringen vermögen! Könnte ich doch die Freundschaft dieses Thierchens erwerben, das freiwillig die Oede des traurigen Kerkers mit mir theilt."
Er erinnerte sich, in seiner Jugend gehört zu haben, daß die Spinnen Musik liebten. Einen Versuch, die Wahrheit dieser Behauptung zu ergründen, konnte er ja leicht machen. Leise pfiff er eine Melodie, und mit Verwunderung und freudiger Ueberraschung bemerkte er, daß die Spinne, welche bis dahin still und unbeweglich in dem runden Loche im Hintergründe ihres Netzes gesessen hatte, auf einmal lebendig wurde und die Vorderfüße weiter und weiter hervor- streckte. Er fuhr mit Pfeifen fort; die Spinne kam in kurzen Absätzen näher und näher an den Rand des Gewebes, bis sie am äußersten Saume, wo sie nicht weiter konnte, ohne zu fallen, sitzen blieb. Ferdinand hielt ihr seinen Finger hin und pfiff die Melodie fortwährend leise vor sich hin. Die Spinne streckte ihre Vorderfüße ans, betrachtete den dargereichten Finger, zog sich scheu wieder zurück, kam wieder vor, schien zu überlegen, was sie beginnen sollte, und schlüpfte endlich, wie von einem plötzlichen Schrecken ergriffen, mit Blitzesschnelle in ihre Höhle zurück.
„O!" sagte Ferdinand, der mit gespannter Aufmerksamkeit die Spinne beobachtet hatte, ganz betrübt — „kleines Thier, ich bin dein Feind nicht und suche vielmehr

