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„Das alte bekannte: Heute mir, morgen dir!" sprach Severin lächelnd. „Mein seliger Vater führte es oft im Munde, und das mag die Ursache davon sein, daß ich es ebenfalls häufig anwende. Auch der treue Franz hatte fich es angewöhnt."
„Heute mir, morgen dir!" murmelte der Franzose nachsinnend. „Ach ja, ach ja! Ich erinnere mich! Ihr Freund wendete es damals auch auf mich an und meine Landsleute. Ja, ja, die Schicksale der Menschen wechseln wie der Wind, und wer im Glücke ist, der hüte sich, sein Glück mit Uebermuth zu mißbrauchen! Heute mir, morgen dir! Damals Sieger, mit Lorbeern geschmückt, voll Glanz und Herrlichkeit — und heute: besiegt, im Elende, die Lorbeern begraben im russischen Eise, fast ohne Hoffnung! Ach ja, ach ja — die Reihe ist an uns gekommen, das morgen ist da! Wie Ihr Freund triumphiren würde, wenn er mich jetzt sähe, hier, in diesem Zimmer, wo ich im Uebermuthe des Sieges ihn mißhandelte — ach, wie würde er triumphiren! Ja, ja, ein gutes Sprüch- wort ist es! Eine Warnung für den Glücklichen, und ein Trost, eine Hoffnung für den Elenden und Gebeugten! Wohl denn, ich kann von Glück sagen, daß mich mein Schicksal in die Hände von solchen Feinden geführt hat! O, Madame! O, mein Herr! Ich finde wirklich keine Worte, um meine Dankbarkeit auszudrücken!"
„Es bedarf deren ja auch nicht," erwiderte Severin lächelnd. „In der That, wenn es Ihnen gelänge, unserm Freunde seine Freiheit wieder zu verschaffen, so würden wir es sein, die von Dankbarkeit sprechen müßten."
„Genug davon!" sagte Malleville — „Sie haben mein Wort, und nur ein Ehrloser könnte es brechen. Wenn Ihr Freund noch lebt, so soll er frei werden und in Ihre Arme zurückkehren, damit er Ihnen zu Ihrem Rechte verhelfe. Ist das morgen an uns gekommen, wohl, so mag es auch an Jenen kommen, der unzweifelhaft ein Betrüger und schändlicher Mensch ist. Ohne seine Verrätherei würden wir nicht daran gedacht haben, hierher zu kommen!

