154
die mich der Verachtung beider Partheien preisgab, und wurde Apostat, um Spion werden zu können. Bald stand ich nun zwischen den beiden Partheien, immer von einer derselben bedroht, und stets darauf gefaßt, von der einen oder der andern als Preis für eine Ungeschicklichkeit, des Lebens beraubt zu werden. Mit Herz und Seele gehörte ich nur der einen Parthei an, während ich die andere zu überreden wußte, daß ich ihr eifrig zu dienen bemüht sei. Niemand weiß, wie viele zu gewagte Unternehmungen, wie viele falsche Schritte und unnützes Blutvergießen ich im Geheimen den Mennigen erspart habe
-doch ich irre mich; ein Mann weiß eö und dieser Mann
weiß mir meine Bemühungen, meine Leiden und meine Opfer Dank; seine Achtung und sein Wohlwollen trösten mich über die Verachtung, die man mir beweiset, und über die Beschimpfungen, mit denen man mich überhäuft, und den Abscheu, den ich allen einflöße, die mir nahe kommen — und dieser Mann ist Heinrich IV., Frankreichs rechtmäßiger König." —
„Ich hege großes Vertrauen zu der Güte und Milde des Königs," redete ihn der Falkner mit fester Stimme an, „und bin überzeugt, daß er nie seine Zustimmung zu der blutigen Rache geben wird, welche vielleicht einige erbarmungslose Mitglieder der refor- mirten Parthei zu nehmen wünschen; auch war mein erster Gedanke, das wichtige Geheimniß, dessen Entdeckung ich dem Zufall verdanke, trotz meiner Anhänglichkeit an meinen Glauben, meinem rechtmäßigen König zu entdecken, und eö hat aller Autorität einer Mutter und eines edlen Fräuleins, welche Beide mir theurer sind als mein Leben, bedurft, um von der Ausführung des Vorsatzes mich abzuhalten. Ucbcrlegt aber doch einmal, daß Ihr nicht das Recht habt, Euch eines Briefes zu bemächtigen, der uns angehört, und trotz der Dienste, die Ihr uns erzeigt habt und uns noch erzeigen zu wollen scheint, und trotz des Andenkens an meinen Vater, welches

