Patron," und dessen ganzem Hause Abschied, der Allen ungemein schwer wurde. Es geschah dies zu Michael des Jahreö 1770, nachdem Stilling genau sieben Jahre in Herrn Spaniers Hause ver weilt und bereits sein dreißigstes Lebensjahr zurückgelegt hatte.

Ein Paar Wochen später, als alle nöthigen Vorbereitungen ge­troffen waren, reiste Stilling in Begleitung eines theuren Freundes, des Wundarztes Troost in Schönenthal, nach Straßburg, um aus der dortigen Universität sich zu einem tüchtigen Arzte auszubilden. Troost war ein Mann von vierzig Jahren, schon seit zwanzig Jahren mit vielem Ruhme Wundarzt in Schöncnthal und durch und durch treu und bieder. Er war schon in früherer Zeit auf der Hochschule zu Straßburg gewesen und hatte dort den Grund zu seinen Kennt­nissen gelegt; da er aber in seiner Wissenschaft sich noch mehr ver vollkommncn wollte, so hatte er beschlossen, noch einen Winter hin durch die erwähnte Universität zu besuchen. Stilling freute sich nicht wenig, gerade mit einem solchen Manne, der die Welt und Straßburg genau kannte, seine Reise anzutreten.

Begleitet von den Segenswünschen seines Vaters und denen aller seiner Verwandten im Salcnschcn Lande trat Stilling seine Reise an, und gewappnet mit dem festesten Vertrauen auf Gott fürchtete er sich nicht vor den vielen Schwierigkeiten und Hindernissen, die er nun aufs Reue gegen sich heranrücken sah. Das Haupthinderniß war der Mangel an baarem Gelde, und die Reise nach Straßburg und der Aufenthalt daselbst und dazu die Bestreitung aller übrigen Bedürfnisse konnte leicht tausend Thaler in Anspruch nehmen, und Stilling besaß bei seiner Abreise nur vierzig Thaler, die schon in Frankfurt am Main bis auf einen einzigen verausgabt waren. In Frankfurt nämlich mußten sich die Reisenden elf Tage aufhalten und auf eine passende Gelegenheit warten, denn damals gab eS noch keine so bequeme Verbindung durch Eisenbahnen und Dampfwagen,