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Stilling zog den ersten Mai nach Schönenthal*) und ließ sich dort als Arzt nieder. Bald darauf wurde ihm von der Universität zu Straßburg die Würde eines Doktors verliehen. Stillings Freude darüber war groß und herzlich und aufrichtig fein Dank gegen Gott.
Die glückliche Wendung feines Geschicks setzte Stillings Familie im Salenschen Lande in daö größte Entzücken und wie einst Jakob bei der Nachricht, daß fein Sohn Joseph noch lebe und ein großer Mann in Aegyptenland geworden sei, ausrief, gerade so schrieb Wilhelm Stilling an seinen Sohn Heinrich nach Schönenthal: „Ich habe genug, daß mein Sohn Joseph noch lebet; ich will hin und ihn sehen, ehe ich sterbe!" (1. B. Mose 45, 28.) Der Besuch konnte aber erst ein Paar Jahre später abgestattet werden und der Batcr blieb nun eine ganze Woche in Schönenthal bei seinem Sohne. Kurze Zeit darauf empfing Stilling auch den Besuch seiner Herzensfreunde Goethe und Lavater.
Bereits am 17. Juni 1771 hatte sich Stilling verehelicht. Seine Christine war eine fromme, tugendhafte Frau, eine edle Dulderin, welche bis zu ihrem am 18. Oktober 1781 erfolgten Tode alle Widerwärtigkeiten mit musterhafter Ergebung in Gottes Willen ertrug. Und Widerwärtigkeiten gab's allerdings genug! Als Stilling in Schönenthal sich häuslich einrichtete, bestand feine ganze Baarfchaft aus nickt mehr alö — 5 Thalern und es verging natürlich einige Zeit, ehe er von den Kranken zu Hülfe gerufen wurde, zumal sich in dem Orte noch andere Aerzte befanden. Die glücklich beendigte Heilung eines sehr gefährlich erkrankten Knaben und bald darauf die
') Dieses schon früher erwähnte Schönenthal ist die in der preußischen Rhein- propin; auf dem rechten Rhcinuser gelegene Stadt Elberfeld mit -15,000 Einwohnern, im Wupperthale und an der Eisenbahn nach Düsseldorf: sie hängt mit 5 Ortschaften, die den Name» Barmen führen, zusammen und ist, wie überhaupt die ganze (ssegend, voll Fabrikthätigkeit in Seide, Sammet, Manchester und Band Bleichen und Färbereien giebt es hier in großer Menge.

