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In Marburg wurde Stilling von allen Gliedern der Universität herzlich empfangen, so daß es ihm war, als käme er in fein Vaterland und zu feiner Freundschaft; selbst Diejenigen, die anfangs gegen seine Berufung hierher gewirkt hatten, wurden seine innigsten Freunde, sobald sie ihn genauer kennen lernten — und das geschah schon nach kürzerer Zeit.
Nachdem er sich nun in seinem neuen Lehramtc eingerichtet hatte, wünschte er sehnlichst, nun ein mal wieder seinen alten Vater Wilhelm Stilling zu scben, zumal die Entfernung von ihm nur wenige Meilen betrug. Er schrieb also an ihn und lud ihn zu sich zum Besuche ein, weil er selbst keine Zeit habe, die Reise zu seinem Vater anzutreten. Der gute Alte versprach das mit Freuden und Stilling traf die nöthigen Anstalten, daß sein Vater ohne alle Beschwerlichkeit die Reise zurücklegen konnte.
Gern hätte Stilling auch noch ein mal seinen Oheim Johann Stilling gesehen, allein diesen hatte Gott schon ein Jahr vorher von seinem Tagewerke abgerufen, nachdem er in den letzten Zeiten das Amt eines Obcrbcrgmeisters verwaltet hatte. Ein Sohn von ihm war zu dieser Zeit ebenfalls schon zu dem-Amte eines Bcrgmeistcrs emporgestiegen. Der verstorbene Oheim war durchweg ein rechtlicher und gewissenhafter Mann gewesen, hatte seine schönste Aufgabe in der Beglückung Anderer, besonders der Nothleidendcn gefunden und sich durch seine Kenntnisse und durch seine Thätigkeit große Verdienste um das Vaterland erworben. Heinrich Stilling widmete ihm im Herzen ein dankbares Andenken und sprach: „Ruhe sanft, würdiger Sohn Eberhard Stillings! Du hast ihm Ehre gemacht, dem frommen Patriarchen!" —
An einem schönen, sonnenhellen Nachmittage im Sommer 1787, als Stilling im Hörsaale seine Vorlesung hielt, traten plötzlich einige Studirendc herein, von denen der Eine überlaut vor Freude in die

