41

seines Lebens und unterhöhlte jedes Beet, wo er Blumen suchte. Jetzt würd' er an seinem Geburtstage und vielleicht durch diesen krank; so wenig ertrug die gelähmte Brust einen Tag, wo das Herz stärker an sie schlug. Da er von Ohnmacht in Ohnmacht sank, so ging der gequälte Sohn in das nahe Wäldchen, genannt das englische, worin das Grab­mal seiner Mutter und das leere war, das sein Pater in der Leichenklage hatte bauen lassen; und hier gelobte Heinrich dem mütterlichen Geiste den Krieg mit seinem Jähzorn und mit seinem Heißhunger nach Freuden an. Der Geburtstag des Paters rief ihm ja zu:Die dünne Erde, die deinen Vater hält, und ihn vom Staube deiner Mutter absondert, wird bald einbrechen, vielleicht in wenigen Tagen, und dann stirbt er bekümmert und ohne Hoffnung, und er kommt zu deiner Mutter und kann ihr nicht sagen, daß du beffer bist." O da weinte er heftig. Aber, unglücklicher Heinrich, was hilft deine Rührung und dein Weinen ohne dein Bessern?

Nach einigen Tagen erhob sich der Vater wieder und drückte im kränk­lichen Uebermaße von Rührung und Hoffnung den reuigen Jüngling an die fieberhafte Brust. Heinrich berauschte sich in der Freude über die Genesung und über den Kuß er wurde froher und wilder er trank

er verwilderte mehr sein Lehrer, der die sieche Weichheit seines Vaters durch kraftvolle Strenge gut zu machen suchte, bestritt das Aufschwellen des Freudentaumels. Heinrich wurde glühend, den Geboten ungehorsam, die er für keine weichen väterlichen hielt, und da der Lehrer fest, stark und nothwendig sie wiederholte, verletzte Heinrich im Taumel das Herz und die Ehre des strengen Freundes zu tief und da flog auf das so oft getroffene kranke Herz des hoffenden Vaters der Aufruhr gegen den Lehrer wie ein giftiger Pfeil, und der Vater unterlag der Wunde und sank auf das Krankenbett zurück.

Ich will euch, liebe Leser, weder Heinrichs Schuld noch Gram abmalen; aber schließet in das strenge Urtheil, das ihr über seine Schuld sprechen müsset, auch jene ein, die ihr vielleicht auf euch geladen. Ach, welches Kind kann an das Sterbebett seiner Eltern treten, ohne daß es sagen muß:Wenn ich ihrem Lebe» auch keine Jahre nahm; o, so kost' ich ihnen doch Wochen und Tage! Ach, die Schmerzen, die ich jetzt