8

Rachen zu nahe zu kommen. Es giebt zwei lehr­reiche Fabeln von Hechten; die eine von einem herrschsüctigen, die andre von einem scheinhei­ligen Hecht.

I.

Ein Hecht regierte lange Zeit In einem Flusse weit und breit.

Ich bin das Schrecken aller Thiere,

Die ich in diesem Wasser spüre:

Was hindert mich denn," hub er an,

Daß ich im weiten Ocean Nicht eben so, wie hier, befehle?"

Dieß sagt der Hecht, und schwimmt sogleich Hinab ins große Wasserreich.

Allein ein Hai, der kaum vernommen,

Warum der Fremdling angekommen,

Thut seinen weiten Rachen auf Und speist den argen Fresser auf.

II.

Ein Klausner, der am Tiberstrand Einst fischte, zog in seinem Netze Den größten Hecht erfreut an's Land.

Verwegner! rief der Fisch, verletze Nicht meine heilige Person.

Dein Vorfahr' hat mich stets geschonet,

Ich trüge, sagt' er mir, die ganze Passion,

Den Kelch, den Schwamm, das Kreuz, die Lanze,

Die Mgel, sammt dem Dornenkranze In meinem Kopf. Ei! ei! du frommes Thier! Versetzt der Greis; doch, darf ich fragen?

Was trägst du denn in deinem Magen?

Der strotzet über die Gebühr.

Ach, nichts! ein Frühstück nur, ein Nest voll junger

Aale.

Das dacht' ich wobl. Du Kannibale Trägst die Religion im Kops Und in dem Busen das Verderben.

Fort, fort mit dir in meinen Topf!

Damit durch dich nicht tausend sterben.

Die Forelle ist auf dem Rücken gräulich, am Bauche gelblich oder silbergrau und an den Seiten mit schwarzen und blutrothen Punkten besetzt. Sie hat einen weiten, mit scharfen Zähnen besetzten Rachen und lebt am liebsten in klaren Gebirgsbächen, welche einen steinigten oder mit Kies bedeckten Grund haben. Die Forellen sind nicht groß; sie werden höchstens einen Fuß lang und haben ein schön weißes, wohlschmeckendes Fleisch. Dieser Fisch schwimmt ' außerordentlich schnell, steht auch zuweilen mit dem Kopfe gegen den Strom gerichtet, längere Zeit im Wasser still und ist dann, wenn er j eine Gefahr merkt, mit einer plötzlichen Wen­dung verschwunden, als ob er weggezaubert wäre. Die Forellen werden an manchen Orten auf folgende Weise gefangen: Man setzt eine wohl verschlossene Laterne von Glas oder Horn, mit einem langen Rohr versehen, ins Wasser. Die Forellen schwimmen sogleich auf das Licht zu und stoßen mit den Nasen dagegen. Hebt man nun die Laterne höher, so kommen die ver­wunderten Fische mit herauf an die Oberfläche, wo sie leicht gefangen oder getödtet werden.

Sechstes Bild.

Der Kreös.

Der kleine Junge hier spielt mit einem Krebs, den er mit einem dünnen Stöckchen neckt oder kitzelt. Der Krebs ist fast so lang, wie des Kindes Bein und müßte also ein wahres Unthier von einem Krebse sein die größten Seekrebse, die Hummern, werden nur etwas über einen Fuß lang wenn alles richtig wäre. Das Thier ist aber ein ganz gewöhnlicher Bach­

oder Flußkrebs und nur so groß gezeichnet, daß man ihn genauer betrachten kann. Der Krebs ist mit einer harten Schale bedeckt, welche im heißen Wasser schön roth wird, hat acht Füße und zwei lange Scheeren, mit denen er tüchtig zwicken kann und einen Schwanz, der ihn beim Schwimmen unterstützt. Er kann vor- und rückwärts gehen, aber nur rückwärts schwimmen,