15

Sing- und Stubcnvögel.

unter gute Bekannte. Der Staar, der sich ein Flöck- chen Wolle für sein Nest holt, der Fink und die Meise auf dem Baumaste, der gelbe Kanarienvogel im Käfig; der Zeisig, der sich seinen kleinen Futter­wagen herbeizieht, der blut- rothe Gimpel, der tiefsinnig auf seinem Zweig­lein sitzt, der grüne Papagei mit seinem klugen Gesicht, die Lerche neben dem Kornfeld und die Nachtigall, welche im dichten Busch ihr herr­liches Lied singt. Diese Vogel hast Du alle schon gesehen, im Bild oder in der Wirklichkeit, im Käfig oder in der freien Natur. Außer dem

Papagei, der blos schreien oder schwatzen kann sind es lauter Sänger und gehören zu dem großen Musikchor, der im Frühling und Som­mer die Wälder, Gärten und Felder belebt und uns den Aufenthalt darin und die Spaziergänge noch einmal so lieb und angenehm inacht. Oben an steht die Nachtigall, der es, kein anderer Vogel gleich thut im Gesang; dann kommt die heitere Lerche, die über ihrem Nest gerade auf­wärts steigt und ihr angenehmes Lied, das man noch aus weiter Ferne deutlich vernimmt, aus der Höhe herunter sendet; dann kommt der Gimpel und der Fink; letzterer ist besonders be­rühmt im Thüringer Lande und versteht viele Weisen.

Erstes Bild.

Der Staar.

Der Staar oder die Sprehe ist ein äußerst geselliger und possirlicher Vogel, der sich leicht an die Menschen gewöhnt und allerlei Liebchen pfeifen und sprechen lernt. Er gehört zu den Zugvögeln, kommt aber schon sehr früh zu uns zurück, vertilgt viel Ungeziefer, thut aber auch an den Kirschbäumen und in den Weinbergen manchen Schaden.

Der Staar von Segringen.

In Segringen der Barbier hatte einen Staar, und der wohlbekannte Lehrjunge gab

ihm Unterricht im Sprechen. Der Staar lernte nicht nur alle Wörter, die ihm sein Sprachmei- stcr aufgab, sondern er ahmte zuletzt auch selber nach, was er von seinem Herrn hörte, z. B.: Ich bin der Barbier von Segringen. Sein Herr hatte sonst noch allerlei Redensarten an sich, die er bei jeder Gelegenheit wiederholte, z. B.: So, so, lala; oder: par Compagnie (das heißt soviel als: in Gesellschaft mit Andern); oder: wie Gott will; oder: Du Dolpatsch. So titu lirte er nämlich insgemein den Lehrjunge», wenn er das halbe Pflaster auf den Tisch strich,