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Das Muzchen.

Diese Eule, welche auch zu den Vogeljägern gerechnet werden kann, gehört zu den kleinsten ihres Geschlechts. Der Kauz wohnt in alten Gebäuden und hohlen Bäumen. Am Tage hält er sich verborgen und fliegt nur in der Dämme­rung aus. Da geschieht es denn zuweilen, daß er gegen erleuchtete Fenster anrennt, und die Leute im Zimmer erschreckt. Er frißt Käfer, Blindschleichen und Mäuse. Von Letzteren nimmt er fünf bis sechs auf eine Mahlzeit, so klein er ist. Läßt sich das Käuzchen am Tage blicken, so wird es von Habichten erwürgt, oder

von Raben und Singvögeln mit großem Ge­schrei verfolgt und geneckt. Man benutzt es auch zum Vogelfang, besonders in Italien, wo das Thierchen sehr häufig ist. Da kommt es denn vor, daß Schuster und andere Handwerker, wenn sie im Freien arbeiten, ein Gestell in der Nähe haben, auf welchen: nrehrere Käuzchen sitzen. Nun komnren denn Meisen, Bachstelzen, Zaunkönige, Rothschwänzchen und andere Vögel in Menge herbei und werden auf ausgestccktcn Leimruthen gefangen.

Der Lämmergeier.

Wenn man die Schweizer und Throler Alpen immer höher und höher hinauflommt, so hört endlich alles Leben aus, und man sieht nur noch graue Felsen und kalte Eisfelder. Wenn man nun einsam da oben steht, unter sich eine Steinwüste, und weiter unten, in der Ferne die Länder und Wohnplätzc der Menschen, in einem blauen Dunste verschwimmend; so hört man oft plötzlich hoch über seinem Haupte ein helltönendes anhaltendes-Pfeifen. Man blickt erstaunt uncher, und entdeckt endlich in der dunkeln Bläue des Himmels einen schweben­den Punkt, welcher näher und näher heran- kommend mit mächtig ausgespannten Flügeln in großen Kreisen schwebend, als der Geier der Alpen sich zu erkennen gibt. Er läßt sich etwas tiefer herab und späht nach Beute, fliegt dann, wenn er nichts findet, in gerader Linie wieder hoch hinaus und verliert sich über den eisstrah- lenden Gipfeln und Kronen. Der Lämmer­

geier wird über vier Fuß hoch, und mißt mit ausgespannten Flügeln nicht selten zehn Fuß. Von dem, was ein Lämmergeier fressen kann, macht man sich einen Begriff, wenn man er­fährt, daß einmal der Magen eines solchen Vogels enthielt: fünf Knochen von einem Rind, jeder theils einen halben, theils einen ganzen Fuß lang, einen Ballen Haare und den Fuß einer Ziege, von: Knie bis zun: Huf. Ein anderer Geiermagen hielt eingeschlossen: den großen Hüftknochcn einer Kuh, ein Gemsen schienbein einen halben Fuß lang, ein Gemsen- rippenstück und noch mancherlei Haare, Knochen und Klauen. Wenn der Lämmergeier ein größeres Thier, ein Schaaf, eine Gemse, eine Ziege nah bei einem Abgrund grasen sieht, so kreist er in engen Zirkeln über ihnen und sucht sie so lange zu ängstigen und zu schrecken, bis sie gegen den Rand der Schlucht fliehen; dann fährt er mit sausendem Fluge dicht an ihnen