tragen ein Hemd mit weiten Aermeln, welches bis an die Hüften reicht. Bsn hier beginnen weite Beinkleider aus Leinwand, die mit einem Riemen oder Tuch um den Leib befestigt werden. Ueber die Schulter werfen sie die Bunda, einen Schafpelz, zu welchem die Reicheren noch den Dolman fügen. Mit dem vierten Jahre werden die kleinen Knaben schon auf daö Pferd gesetzt. An dem Tage, wo sie galoppiren, ohne herunter zu fallen, spricht der Vater ernst und wichtig zu seinem kleinen Sohn: j Embur vagy, Du bist ein kleiner Mann."

Die Pferdeheerden, welche die Pußta bevöl­kern, leben fast immer in freier Luft. Sie werden von den Czikos (Tschikos) gehütet. Die Mühe, welche sie sich übrigens mit der Bewachung ihrer Hcerde geben, ist nicht groß. Sie über­lassen diese Sorge gewöhnlich ihre» großen, weißen Wolfshunden, welche von einem Hügel oder Düngerhaufen aus Alles übersehen können; wenn dann ein Junges sich verlaufen will, oder ein Raubthicr heranschleicht so schreiten sie so­gleich ein und stellen das gestörte Gleichgewicht wieder her. Die Hirten umlagern unterdessen ihre Feuer und rauchen ihre Pfeife; stellt sich der Hunger ein, so ziehen sie aus ihrem Tor­nister ein Stück Speck hervor und verzehren es roh oder am Feuer geröstet zu ihrem schwar­zen, aber schmackhaften Brod. Das Vieh bleibt das ganze Jahr hindurch auf der Pußta und der Hirte bei ihm; nur zuweilen koinmen die Czikos in die Städte, um Pferde zu verkaufen oder deren zu stehlen. Im Reiten thut es ihnen Niemand zuvor; ohne Sattel, oft auch ohne Zügel fliegen sie wie ein Pfeil über die Pußta dahin. Haben sie nun erst einen Vorsprung gewonnen, so schwingen sie sich mit Blitzes­schnelle auf das gestohlene Roß unv überlassen dasselbe seinem Instinkt, denn es kennt jeden Weg und Steg, jeden Sumpf und Graben besser als sein Herr und rennt geraden Weges dem Standorte zu, wo dann Roß und Reiter ein frohes Wiedersehen feiern. Im Bändigen der wilden Pferde sind die Czikos unerreichte Meister. Die Pferde bleiben nämlich mehrere Jahre lang in ihrem halb wilden Zustand bis auf den Tag wo die Zähmung festgesetzt ist.

Eines Morgens sucht sich der Czikos ein Pferd aus, das ihin gefällt und geht, freundlich zu ihm sprechend und seine Hand ausstreckend auf das­selbe zu. Das Thier blickt den Menschen arg­wöhnisch von der Seite an, dehnt die Nasen­löcher, sträubt die Mähne und will, sobald es die Hand auf seinem Nacken fühlt, die Flucht ergreifen; aber in demselben Augenblick hat der Czikos seine Mütze ins Gesicht gedrückt und sich auf den Rücken des Thieres geschwun­gen. Ueberrascht und bestürzt, macht das Pferd verzweifelte Versuche, die ungewohnte Last ab­zuschütteln: es bäumt sich, springt seit- und rückwärts, alles umsonst. Der Czikos stößt in regelmäßigen Zwischenräumen seinen Mund voll Tabakörauch aus und wartet geduldig, bis sich das Thier zur Erde wirft. Aber in dem Augenblick, wo das Pferd sich bückt, zieht der Reiter die Beine empor und bleibt im Gleich­gewicht, bis es wieder aufspringt und nach wie vor den Mann auf seinem Rücken fühlt. Nun schießt es in rasender Eile, um der unerträg­lichen Last zu entfliehen, davon. Der Reiter schaut nach der Sonne, merkt sich die Richtung seines Renners, und läßt ihn laufen. Ist das Pferd erschöpft, so fällt es nieder; dann legt ihm der Reiter das Gebiß an, läßt es zu Athem kommen und führt es ruhig und geduldig zurück. Häufig werden auch die Pferde mit dem Lasso, einer Schlinge, die man ihnen um den Hals wirft, gefangen. Der Pußtareiter wirft das Pferd auf diese Weise zu Boden, stellt sich darüber, lockert die Schlinge und läßt sich von dem aufspringenden Thiere davon tragen, bis dasselbe müde und gefügig wird. Diese Steppen­bewohner leben mit ihren Thieren in einem so traulichen Verhältniß, wie es sonst nirgends vorkommt. Das Roß kennt die Hand seines Herrn und dieser jede Bewegung seines Pferdes; sie sprechen mit einander eine Gebärdensprache, die beiden verständlich ist. Der Czikos theilt jeden guten Bissen mit seinem Pferde, dafür kann er ihin aber auch blindlings vertrauen.

Auf unserem Bilde ist ein schnurrbärtiger, dunkeläugiger Czikos, mit dem Lasso in der Hand, dargestellt.