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Sechstes Bild.

Das «fsußpferö.

Das große Thier, was Du auf dem sechsten Bilde unserer Tafel siehst, ist ein Flußpferd oder Nilpferd, am Kap auch Seekuh genannt, und lebt in den größten Flüssen Afrikas. Es läuft auf dem Lande sehr schnell, schwimmt gut und taucht unter, um auf dem Grund der Flüsse eine Strecke fortzulaufen. Es mißt zwei Manneslängen und ist sieben Fuß hoch; seine kurzen Beine sind nur zwei Fuß lang, so daß der Bauch fast auf der Erde schleift. Es hat einen dicken, plumpen Kopf, kleine Schweins- augcn und einen furchtbaren Rachen. Die großen Eckzähne sind sehr lang, geben schönes Elfenbein und werden besonders zu falschen Zähnen verarbeitet. Die Nahrung des Fluß­pferdes besteht in Wasserpflanzen und Wurzeln. Auf angebauten Feldern, besonders Reis- und Zuckerpflanzungen, wo es alles verwüstet, theils abfrißt, theils zerstampft, thut es viel Schaden. Sein Geschrei lautet wie ein Wiehern, Grunzen und Brüllen. Es wird mit Harpunen langen Wurfspießen mit scharfer Schneide und Widerhaken erlegt; denn seine dicke, schwarz­blaue , spärlich behaarte Haut ist für Flinten- kugeln undurchdringlich; die meisten Kugeln bleiben darin stecken. Die Jagd ist gefährlich, denn das Thier sucht, wenn es verwundet wor­

den, die Kähne der Jäger mit seinen Zähnen zu zertrümmern oder ins Wasser zu ziehen, und mehrere Menschen haben Stunden lang Arbeit, bis sie das Thier todt gemacht haben. Man durchbohrt ihm mit scharfen Eisen den Nacken oder stößt ihm den Schädel ein. Es wird auch in der Nähe der Pflanzungen in Gruben ge­fangen, auf deren Boden spitze Pfähle ange­bracht sind. Das Fleisch der jungen Thiere ist sehr schmackhaft. Aus der Haut des Fluß­pferdes werden gute Peitschen gemacht. Im Niger- sowohl als im Tschad-See finden sich die Flußpferde in großer Menge, auch am Kap und im obern Nil. Wenn ein Flußpferd erlegt ist, so kommen, außer den Geicrschaarcn, sogleich eine Menge Neger, Hottentotten und Busch­männer aus der Umgebung und halten mit Weibern und Kindern so lange Schmauß, bis Alles aufgezehrt ist. Der Knochcnschädel des Thieres gleicht einem Felsklumpen und die ab­genagten Schenkelbeine sehen wie Baumstämme aus. Vor Zeiten müssen die Flüßpferde auch in Frankreich und Italien vorgekommen sein, denn man hat bei Montpellier in Südfrank­reich , bei Paris und im Arnothal bei Florenz versteinerte Gerippe dieses Thieres aufge­funden.

II e ,j l) ji I e n.

Aeghpten ist ein merkwürdiges Land, das im Mittelpunkt der alten Welt liegt. Die älte­sten Geschichten der Menschheit erzählen schon von Aeghpten und seinen Bewohnern. Der Nil, der heilige Strom, der das Land durch­stießt, genoß eine göttliche Verehrung. Stau­nend stehen wir vor den Riesenbauwerken

dieses kleinen Landes, welche ein trockener, fast regcnloser Himmel durch Jahrtausende erhal­ten hat.

Aeghpten zerfällt in drei Theile: Ober- ägypten, Mittcläghpten (das Delta, worin viel­leicht das Reich Gosen lag, wo Jacob mit seinen Söhnen sich niederließ) und Unterägypten. In