Wa« und wie Freund Zippel schrieb, als er auf Helgoland war.
Pirna und von Venedig. Es leben .etwa 15 Hundert darauf. Und das ist sehr gut, dass ihrer nicht mehr sind. Denn, wären es 15 Millionen, würde das Plateau der Insel kaum Raum genug für sie haben; sie würden so dicht beisammen stehen, dass man ein seidenes Band um sie herum schlingen müsste — wie um ein Viertelhundert Cigarren — damit Keiner über den Inselrand hinunter, auf s Meer purzelte. Ich wenigstens möchte dann nicht am Rande stehen.
Die Helgoländer beschäftigen sich viel damit, dass sie von früh bis abends die frische Seeluft ein- athmen, oft in’s Meer hinaus und hinein schauen und den Fremden Kaffee kochen.
Eisenbahnen haben sie nicht. Auch sieht man keine Postkutschen, nicht einmal eine Droschke. Pferdewettrennen halten sie nicht ab. Vorn Fahren, Reiten und von weiten Fusstouren scheinen die Helgoländer keine grossen Freunde zu sein. Ich habe mich lange darüber gewundert und mir hin und her und dann wieder her und hin überlegt, woher wohl das kommen möge? Jedenfalls aber hat es seinen Grund darin, dass die ganze Insel nur höchstens 30 Minuten lang und 10 Minuten breit ist. Anders wusste ich mir es nicht zu erklären.
„Hast Recht, Zippel! Ich stimme Dir einstimmig bei. So ist es! So muß es sein!"
Da ich mir nun vorgenommen habe, Dir ganz erz- gründliche Nachrichten über Helgoland zu verschreiben, so muss ich Dir auch noch mittheilen, dass man die sämmtlichen Bewohner dieser Insel, genau genommen, in 6 Klassen theilen kann. Nämlich: in Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, Knaben und Mädchen.
„I was! Da wären ja die Helgoländer sehr, sehr verschieden unter einander?"
In Bezug auf diese letzten beiden Klassen muss noch erwähnen, dass man auf Helgoland kein einziges Kind in die Heidelbeeren, oder in die Pilze gehen sieht; dass da kein Kind an einem Bache spielt; höchstens sitzen sie unten am Meeresufer und sammeln die kleinen Schächtelchen , Kästchen, Etuichen und Büchschen , welche, ivie man mir sagte, die Meerschnecken zusammen geleimt haben und die man gewöhnlich Muscheln nennt. Allerliebst niedliche Sächelchen! Sehen aus, wie aus Porzellan gegossen. Diese Schneckenschnerkeleien verkaufen dann die Kinder an uns Fremde.
Merkwürdig ist auch noch, dass in Helgoland kein einziges Kind die Ruthe kennt, weil nämlich keine Birkenbüsche oben wachsen.
„Ach so! Ich wollte eben sagen, da müßten doch die Helgoländer Kinder ganz grausam gute, liebe Thierchen sein. Aber da ist's freilich was Anderes." —
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Hirsche und Löwen, Wildschweine und Elephanten, Rebhühner und Strausse giebt es nicht auf der Insel. Nur etwa 360 Häuser leben darauf. Auch leben auf der Insel keine Fische, weil sie auf dem trocknen Lande überhaupt nicht existiren können. Das hat mir eigentlich schon mein Lehrer gesagt. Unten herum soll es allerdings sehr, sehr viel Fische geben. Leider aber muss ich gestehen, dass ich deren freilich nur blutwenig gesehen habe. Ich erkläre mir das so: Diese Thiere können vor dem vielen Wasser nicht so nahe heran kommen, dass man ihrer ansichtig werden könnte. Etwa 300 Meilen hinauf zu soll es sogar Walisische geben. Abei' ich muss bekennen, ich habe keinen Einzigen erkennen können und mein Spervectiv (Perspectiv) habe ich nicht bei mir.
„Das war schade, Freund Zippel! So ein Walisisch muß sich gut ausnehmen. Hurrje! Wenn ich mir denke, daß so ein Kerl, der doch wenigstens 3000 Ellen lang ist, so langsam in dem Wasser herumplätschert, wie nett muß das aussehen!"
Rührend aber ist es, wie lieb die Helgoländer die Fische haben, wie sie für sie besorgt sind und ihnen das Leben so angenehm als möglich zu machen suchen! Ja, ’s sind wirklich seelensgute Menschen, die Helgoländer!
„Wo so? Zippel? Wo so?"
Denke Dir nur, Zappel! Haben die guten Leute, oben auf der Insel, einen grossen, mächtig hohen Thurm gebaut. Kostet gewiss viele, viele Tausende! Auf diesen Thurm hängen sie, wenn es Nacht wird, eine riesige Laterne mit einer riesig grossen Flamme. Diese Flamme leuchtet nun weit in’s Meer hinaus. Ich glaube, man muss bald bis nach Amerika sehen können. Und wozu dieser Thurm und diese Riesenlateme? — Damit die Fische des Nachts sehen können!
„Nein, 'sist doch kaum glaublich! Diese Großmuth geht wirklich in's Aschgraue! In manchen gar großen Städten bekommen nicht einmal die Menschen eine ordentliche Straßenlaterne, damit sie den Schmutz und die Pfützen und die Prellsteine sehen könnten und die Helgoländer leuchten sogar den Fischen! Was das doch für kreuzgute Menschen sein müssen! Gewiß ist jeder Helgoländer beim Thierquälereiabstellungsvereine!"
Auf Helgoland wird nun auch viel g ebadet. Man redet mir zu, ich solle doch auch Seebäder nejimen. Aber ich thue es nicht. Ich habe drei gewichtige Gründe dazu. Erstens bin ich sehr kitzlich, wie Du weisst, und da denke ich mir nun, wenn einem die Wellen so auf dem blosen Rücken hinauf kräuseln, das muss ein äusserst krappliches Gefühl geben und das vertrage ich eben nicht. Zw eitens denke ich, so lange das Meer noch so salzig schmeckt, also noch viel Salztheile von den untergegangenen Schiffen enthält, ist’s nicht gerathen, ein Seebad zu nehmen. Der

