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Peter in der Residenz.

taufen lassen. Diesen hätschelte und Hätschelte und betät- schclte er, als wenn's wahrhaftig ein Wachsengelchen ge­wesen wäre. Wehe dem, der den Peter einmal scheel an­gesehen oder ihm wohl gar einen Berweis gegeben hätte! Und so wuchs der Knabe auf, wie ein Füllen, d. h. wild und zügellos. Von Anstand war keine Spur bei ihm zu finden, wohl aber destomehr ganz deutliche Spuren (so breit wie ein Dorffahrweg) von Unanständigkeit und Tölpelhaftig­keit. Je ungeschickter sich Peter indeß zeigte, desto mehr lachte und freute sich sein Vater über ihn und nannte das Ungeschick an ihmPossirlichkeit", zuweilen sogarWitz". Run hatte der Vater Verwandte in der Residenz, die auch so stockschocksteinreich waren und ein höchstgroßes Haus führten. (Das heißt nämlich nicht etwa, Eduard, sie führten das Haus an einer Leine, sondern d. h- sie hielten viel Diener und machten einen großen Aufwand.)"

Aber Kladderadatsch, so blitzdumm bin ich doch nicht, daß ich das nicht wissen sollte?"

Na, nimm's nur nicht übel, Eduardchen. Man kann sich doch irren. Also gut. Wie nun der Peter etwa 12 Jahre alt war, beschloß sein Vater, ihn ein Vierteljähr- chen in die Residenz, zu kiesen Verwandten, zu schicken, damit er auch sehe, wie es ohngefähr in einer großen Stadt zugehe.

Damit aber ja dem Peterchen dort nicht etwa irgend ein Leid geschehe, oder er etwa ein hartes Wort, oder einen Verweis hören müsse, gab er ihm folgende paar Zeilen mit:

Mein allergutester Herr Schwager!

Anbei erhältst Du, verabredeter Maßen, meinen Peter, mein süßes Herzblättchen, auf ein Vierteljahr. Ich habe ihn mit unbegreiflicher Liebe soweit groß gezogen und ihn stets gehalten, wie meinen Augapfel. Das Kind ist frei­lich noch nicht über meine Felder hinausgekommen, man kann also auch nicht viel von ihm verlangen. Trotzdem aber besitzt der Peter viel Possirlichkeit und macht zu­weilen sogar einen guten Witz, über den man herzlich lachen könnte. Nur hat er häufig das Unglück, daß er Etwas zerbricht, oder umstößt, oder verschüttet u. s. w. Na, das wirst Du ihm schon zu Gute halten, liebstes Schwägerlein. Der Peter ist noch ein Kind! Und sollte er ja auch bei Euch das Unglück haben, einiges Unheil anzurichten, so schicke mir nur die Rechnung, ich werde Alles bezahlen. Nur kränke mir das Kind nicht. Darum bittet inständig

Dein getreuer Schwager, Iaeob Zwickerling."

So kam denn nun Peter in der Residenz und bei seinen Verwandten an. Aber das inuß ich ausführlich erzählen, sagte Onkel Pinkelmeier, wie er eben ankam.

Es war ein sehr regnerischer Tag und der lehnüge Boden der Landstraße, auf welcher die Kutsche, in der Peter saß, daher rollte, sehr schmutzig und klebrig Trotzdem stieg Peter mehrmals aus und ging ein Stück zu Fuße, weil ihm das gerade Spaß machte, wenn sich der Lehm in großen

Klumpen an seine Füße hing, so daß er sie kaum erheben konnte. Er meinte dabei, jetzt habe er viel Ähnlichkeit mit einem Kameele, das ja auch große Latschen habe.

Mit diesen lehmbepolsterten Stiefeln sprang er nun aus der Kutsche heraus und stieg die prachtvolle, mit feinen Teppichen belegte Marmortreppe hinauf. Natürlich, sagte Onkel Pinkelmeier, fiel bei jedem Schritte ein Klumpen Lehm ab und auf die theuren Teppiche, so daß dieselben von unten bis oben ekelhaft beschmutzt wurden.

Oben angekommen, wollte ihn sein Onkel mit einem Kusse bewillkommnen. Dabei aber benahm sich Peter so ungeschickt, daß der Kuß des Onkels auf seine Nase kam, was dem Onkel sehr fatal sein mußte, sagte Onkel Pinkelmeier, denn er zog sogleich sein Taschentuch und wischte sich unge­sehen den Mund.

Schon diesen ersten Tag hatte der gute, gute Peter, viel, viel Unglück und verursachte manche Unannehmlichkeit und auch noch etwas mehr.

Nachdem er seine Kleider gewechselt und sich etwas er­holt hatte, sollte er einer weitläufigen Cousine vorgestellt werden. Dieß hörend, machte er ein ganz albernes Gesicht, als ob er sich schämen müsse und trat immer weiter zurück, bis er endlich mit dem Rücken an ein kleines Mahagoni- tischchen stieß und also nicht weiter mehr konnte. Auf diesem Tischchen aber standen eine Menge kostbare Porzellanfiguren, zwei kostbare Glaslenchter und ein Schreibzeug aus Alabaster. Als nun die Cousine eintrat, wollte Peter einen Bückling machen, machte ihn aber gräßlich ungeschickt, stieß das Tischchen mit um und pardauz! krachte die ganze Bescheerung in die Stube. Weithin klirrten die Stücken und von all' den reizenden Gegenständen war natürlich kein Einziger mehr ganz."

Das nenne ich aber auch sündliches llngeschick, Klad­deradatsch."

Nicht wahr, Eduardchen? Nun höre aber weiter. Bald darauf erblickt Peter vorn an der Thür ein breites, mit Perlen gesticktes Band. Das gefällt ihm. Er tändelt und spielt