Peter in der Residenz.
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Jetzt kam die Suppe. Anfangs bediente sich Peter zwar des Löffels. Als es aber zur Neige ging, erschien ihm das Löffel» zu langweilig. Er warf deshalb den Löffel hin, nahm den Teller zwischen beide Hände und trank den Rest der Suppe vollends aus. Ein gut Theil davon lief freilich daneben und ihm auf die Weste und auf das feine, weiße Blousenhemde. Weil das nun natürlich sehr unappetitlich aussah, band ihm die Kammerjungfer sogleich die Serviette vor
Nach der Suppe und ehe das erste Gericht gereicht wird, nimmt Peter ein Stück Schwarzbrod aus einer Schale, legt es auf das Tischtuch, ergreift sein Messer und schneidet das Brod in lauter einzelne Bissen, wie sie ihm gerade mund- recht erscheinen. Wozu das? Er meint, auf diese Weise mache er sich's bequem, indem er sich die Bissen im Borrathe Hinschneide. Bei dieser Unanständigkeit hatte er indeß schon wieder Unglück. (Ja, ja, sein Vater hat Recht, sagte hier Onkel Pinkelmeier, der Peter ist ein unglückliches Unglücks lind!) Bei dem Schneiden war nämlich das Messer zu tief gegangen und mit Schrecken bemerkte die gnädige Frau Tante, wie Peter daö prachtvolle Doppelbatisttafelluch kreuz und quer durchschnitten hatte. Das gab natürlich wieder eine fette Nummer auf die Rechnung.
Später wird russischer Salat herum gereicht. Peter nimmt sich sieben Löffel voll, so daß er einen wahren St. Gotthardt vor sich hat. Daraus aber langt er flugs nach einer Schale mit Preiselsbeeren und schüttet die Hälfte davon auf seinen Russensalat, rührt dann diese beiden Speisen unter einander (wobei so manche Preiselsbeere über den Tellerrand herabfällt und das blendendweiße Tafelluch färbt) und fängt nun an, diese uudelikate Mischung zu verzehren.
Die Salzkartoffeln nimmt er gleich mit den Fingern aus der Schüssel. Die Bratenknochen wirft er weit in der blitzenden Stube hin, damit sie der Pudel fressen soll, der natürlich auch gleich zuspringt und von dieser Güte Gebrauch macht.
Als ihn am Ende der Mahlzeit die Tante fragt, ob er vielleicht noch Etwas Aepfelcompot wünsche, antwortet er: „Ne, ich mag nich mehr." Darauf nimmt er das Messer, sperrt den Mund weit auf und stochert sich in den Zähnen herum.
„Das ist nun freilich wieder sehr starke Tinte, Kladderadatsch."
„Nicht wahr, Eduardchen? Aber Onkel Pinkelmeier erzählte noch weiter. In den späteren Nachmittagsstunden saß die gnädige Frau in ihrer Visitenstube, auf einem mit kostbarem Plüsch überzogenen Divan, um einen Brief zu schreiben. „Ach bitte, lieber Peter, sei doch so gut und gieb mir das Schreibezeug her, das dort auf dem Ecktischchen steht," spricht sie.
Peter geht und holt das Verlangte. Als er aber in die Nähe des Divans kommt, stolpert er über seine eigenen Füße (es hat ihm nämlich keine Stecknadel im Wege gelegen) und fallt mit sammt dem Schreibezeuge auf den Divan. Die Tinte strömt »nn nicht blos über den prachtvollen
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Purpurplüsch dahin und bildet sofort „das schwarze Meer" darauf, sondern sprüht auch der gnädigen Frau in großen Tropfen auf das gelbe Atlaskleid und verdirbt somit das reizende Gewand ganz grundgründlich.
Die Tante, in ihrem Schreck und Aerger, hebt schon die Hand, um dein gräßlich Ungeschickten eine wohlverdiente „Dusel" an den dummen Kopf zu geben, besinnt sich aber in demselben Augenblicke auf Schwager Zwickerlings Bries und ruft nun blos ihren Mann, damit er den Schaden notire. Peter will allerdings sogleich dem Unglücke steuern und fängt an, mit dem Aermel seines Rockes die Tinte wegzuwischen, da aber, meinte Onkel Pinkelmeier, wäre das Uebel natürlich noch ganz grausam viel ärger geworden. Läßt sich denken, Eduard.
Gegen Abend kommt ein junger Herr, der mehrmals bei dem reichen Zwickerling gewesen ist und also den Peter schon gesehen hat, auf Besuch.
„Wie geht's, Peter?" fragt der junge Herr.
„Was denn?" erwidert Peter.
„Ich frage, wie es geht? lieber Peter."
„Ach so!! Es geht sehr glatt hier in diesen Zimmern. Man muß sich sehr in Acht nehmen, daß man nicht ausrutscht und sich hinsetzt."
„So. — Wie befindet sich denn Dein Herr Papa?"
„Mein Papa? — Der wird wohl jetzt auf dem Sopha liegen. Um diese Zeit liegt er gewöhnlich darauf und liest die Zeitung."
„Ich meine, wie es ihm geht? lieber Peter!"
„Wie es ihm geht,? — Gehen thut er eigentlich sehr wenig, er reitet oder fährt meist."
„So. — Wie steht es denn jetzt ums Französische, Peter?"
„O, das kann ich ganz gut."
„Und im Englischen?"
„Da lobt mich mein Vater auch."
Hierauf hat nun auch der junge Herr, erzählte Onkel Pinkelmeier, eine kleine Probe gemacht, hat französisch und englisch mit dem Peter gesprochen, hat ihn aus der Geschichte

