Studie» vor dem Examen. Gottfriede!« Abschied.

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Mittel, als Du mußt Dich an den Anblick dieser vornehmen Leute zu gewöhnen suchen."

Aber wie kann ich das? Sobald sie eintreten, muß ich ja gleich mit meinem Gedichte beginnen?"

Das ist freilich schlimm. Aber warte, da fällt mir Etwas ein."

Sogleich trägt Kladderadatsch alle Stühle im Zimmer herbei und stellt sie in einen Kreis. Auf den ersten setzt er die alte graue Ziperkatze, die auch ganz ruhig sitzen bleibt; auf den zweiten stellt er den Vogelgebauer mit dem Zeisige, an den dtitten lehnt er die Kehreule, auf den vierten legt er den Besen, auf den fünften den Stiefel­knecht, auf den sechsten die Ofengabel, auf den siebenten stellt er die Gießkanne und auf den achten ein Paar große Wasserstiefel.

Was soll denn das?" fragt Friedrich verwundert.

Das soll Dich an das Publikum gewöhue«, lieber Friedrich."

Wie so denn?"

Ganz einfach. Denke Dir, Du wärest jetzt in der Schule und die Gegenstände, die Du hier auf den Stühlen erblickst, die wären das fremde, vornehme Publikum. Mußt Dir das nun allerdings sehr lebhaft vorstellen. Und nun fängst Du an und deklamirst."

Bortrefflich, lieber Kladderadatsch! Da hast Du einen klugen Einfall gehabt. Ich danke Dir dafür! Ja, auf diese Weise will ich mich an die fremden Gäste zu gewöhnen suchen."

Als ihn nun Kladderadatsch wieder verlassen hat, fängt Friedrich anö Leibeskräften zu deklamiren an und dabei sieht er mit unverwandten Augen aus die hohen Gäste. Wohl zehnmal sagt er sein Gedicht her. Und mit jedem Male fühlt er sich merklich leichter um's Herz, so daß er zuletzt ganz nahe an die Kehreule hinzu tritt und ihr geradezu iu's Gesicht hinein deklamirt.

Und als die Examenstunde kommt und die hohen Herrn sich setze», tritt Friedrich kühn hervor, beginnt sein Stück und alles geht ganz perfeet.

(Gottsriedels Abschied.

Gott friedet war zwar das Goldsöhnchen seiner Mut­ter, als er aber seine Lehrjahre, als Schuhmacher, über­standen hatte, that es sein Vater nicht anders, er mußte sein Bündel schnüren und auf die Wanderschaft gehen.

Er ging. Der Abschied aber kostete der Mutter und ihm sehr viel Thränen.

Unweit des Dörfchens lag eine kleine Anhöhe. Als Gottfriedel dieselbe erreicht hatte, blieb er stehen und sah noch einmal, mit schwerem, schwerem Herzen und mit hellen Thränen in den Augen auf die geliebte Heimath zurück.

Na, so behüt' Di Gott," sprach er,Du lieb's, lieb's Dörfle, mit Deinen vielen Gärten und Süßäppeln; mit Deiner kleinen Dorfbach und den muntern Schmerlen darin, davon ich manche g'hascht hab'; mit Dein'm alten Spritzen-

häusle, wo ich manchmal g'standen und meine Butterbemme verzehrt hab'! Behüt' Di Gott, lieb's Dörfle, darin i g'lebt hab, wie i noch ganz niedrige Beine g'habt hab' und kurze Hosen und darin i aufg'wachsen bin und manch lieb' Mal den Drachen losg'lassen hab'.

Behüt' Di Gott, Du klein's Hüttlein da unten, wo der alte Hollunderbaum am Giebel steht und di Staarmäst' auf dem hohen Nndelbirnbaum hängt; wo mein Vater und Mutter drinn wohnen, die mi so herzig lieb' g'habt und mi so viel Gut's g'thau hab'n und die i heut' verlassen muß! Behüt' Di Gott, Du allerliebst Hüttlein, wo mein Wieg' drinn g'standen hat und wo drinn i laufen g'lernt hab' und's erste Vaterunser und wo ob'n, hinter der Feuerest', mein' allererst's Spielzeug noch liegt, a zerbrochner Hanswurst,

[ a roth'ö Steckenpferd und a Schachtel voll Türken; wo drinn mi alle Jahr a grün's Christbäumle g'brannt hat und dann der Ruprecht konimen ist mit den Stoll'n und Nüssen i und Weihnachtsäppeln; wo drinn i von meiner Mutter manch g'sottnes Ei und von mein'm Vater mancheKoppdusel^

' bekommen und wo drinn i manch lieb Mal die Ziege g'fülkert und die Flieg'» todtg'schlagen und die Mäuse weg- ; g'fangen hab'!

Behüt' Di Gott, Du fromm's Kirchlein da drüben, mit dem stillen Gott'sacker, wo mein Großvater und mein' Großmutter und mein klein's Schwesterlein tief unten liegen und schlafen. Hab manchmal, für den Herrn Schulmeister, Dein Glöcklein zum Abendläuten und zur Frühkirch g'lütten und in Dir g'sungen und g'betet und die heil'ge Predigt g'hört. Und manche Stund' bin i auf der Kirchmauer g'sessen und hab' den Dohlen zug'schaut, wenn sie ob'n auf der Thurmspitz', auf dem gold'gen Ärickrihahn, saßen und sich um'S beste Plätzelpelzten". Und im Winter, da hab i in dem Holzg'bälk und i» den Mauerrissen Fledermäus aus- g'spürt und hab' a herzig Freud' dran g'habt, wie sie so ! dort hingen, mit .den Köpfeln nach unten und sich in die weiten Flieget g'wickelt hatten, wie in ein' warmen Winter- ! pelz und den Schnee und's Eis und den ganzen Winterfrost verschlufen und doch nimmer erfroren!

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