2 Bewohner Asiens. Tschnktschen.

Lebensfülle prangend erscheint, kann, so wie in der Pflanzenwelt nnd im Thierreiche den größten Wechsel bietend, natürlich auch Menschen, verschie­den an Gestalt, an geistigen Fähigkeiten, verschieden in Bedürfnissen, Denk­weise und Art zu leben, enthalten, und ernähren. Kamtschatka's Bewohner, mit dem armen Boden und dem rauhen Klima kämpfend, im meerum- fluteten schmalen Lande an Schnee nnd Eis, und langen, kalten Winter gewöhnt, muß nothwendig ein anderer Mensch, von anderen Sitten, warme Bekleidung gegen das rauhe Klima, und gegen Kälte schützende Wohnung bedürfender sein, als der Beduine, welcher Arabiens glühende Wüsten auf schnellem Rosse durcheilend, auch im Winter unter leichtem Zelte ruht, und mit dem schwerbeladenen, durstertragenden Kameele von einer Stelle zur andern wandert.

Die Tschuktschen.

Asta's nordöstlichste Halbinsel, welche vvm nördlichen Polarkreise durch- jchnitten, vom nördlichen Eismeere bespült, und durch die Behringsstraße von Amerika getrennt ist, wird von den Tschnktschen bewohnt, welche, theils an Wanderleben, theils an feste Sitze gewöhnt, mit den Korjaken verwandt, und da sie, so ungeheuer weit entfernt von des russischen Kaiserreiches Hauptstadt und Regierung, der Meinung sind, daß die rus­sische Macht nicht wohl bis zu ihnen reiche, so haben fle einen beträchtlichen Grad von Freiheit bewahrt, und sind mehr dem Namen, als der That nach dem russischen Zepter unterworfen.

Die Tschnktschen, welche zur mongolischen Menschenrasse gehören, sind von mittler Größe, gutem Körperbaue, haben kleine Köpfe, dunkelbraune, magere, runde Gesichter, schwarze Haare, welche von den Frauenzimmern in zwei herabhängende Zöpfe geflochten, bei den Männern aber kurz getra­gen werden. Die Frauen puuktiren sich auf jede Wange zwei schwarze Halbkreise, welche durch einen Querstrich mit einander verbunden sind. Die streitbaren Männer, deren Anzahl auf 45,000 geschäht wird, verzieren Arme und Beine mit verschiedenen Figuren. Sie tragen lange Röcke von Fellen, Beinkleider von Rehleder, bei feuchtem Wetter lange, bis über das Knie gehende, bei trockener Witterung aber kurze Stiesel; jene werden aus Seehundsleder, diese aus Rennthierleder bearbeitet. Kopfbedeckungen sind nicht üblich. Das weibliche Geschlecht hat durch die weite Kleidung ein schwerfälliges Aussehen; sowohl ihre Jacke, an welche weite Hosen angenäht