Bcwvhncr Asiens. Kamtschatkaer. l l

Abend vom vchotskischen Meere bespült wird. Sie wohnen südlich von den Korjäken, haben ein grosses Land inne, das, obgleich in höchst unwirthlicher Gegend liegend, dennoch in seinem Innern Thäler enthält, welche milder und dem Pflanzenwuchse zuträglicher sind, als Viele zu'glauben geneigt sein möchten. Diese Thäler des verschrieenen Ssibiriens sind nicht rauher, als Europa's nördlichste Theile, während die Küstenstriche weniger milde Sommer haben, als das Innere. Findet man auch hier nicht den üppigen Anbau, welcher im südlichsten Theile vom mittleren Ssibirien ausgeübt wird, fehlen auch hier die treffliche» Forsten und üppigen Getraidcfelder, an deren Dasein Europäer in der Regel zu zweifeln pflegen, so ist das Land dennoch nicht von Bäumen entblöst, und liefert sogar Holz, welches zum Schiffbaue vortrefflich zu benutzen ist. Auch einige Gctraidearten, z.B. Hafer und Gerste, kommen in geschützten Thälern fort.

Wenige Menschen bewohnen diesen grossen Landstrich, denn die ganze Einwohnerzahl soll, ziemlich zuverläßigen Berichten zufolge, 6,000 nicht übersteigen. Und diese sind nicht einmal Ureinwohner des Landes, da im Norden desselben mehre Korjäken ihre Wohnungen aufgeschlagen haben, Russen, theils als Beamtete, theils als Verwiesene, dorthin geschickt sind, und so dazu beitragen, die Volkszaht zu vermindern; indem die Kamtschat­kaer sich häufig selbst ermorden, an ei» besseres Leben glaubend, und auf eine Zukunft hoffend, in welcher es keine Russen gibt; denn es ist wohl sicher, dass Beamtete Rußlands sich, der vortrefflichen Regierung von oben aus ungeachtet, nirgends so vieleBcdrückunqen erlauben können, als wenn sie weit vom Schusse sind. Betrügen die Beamteten Russlands, wenn sie in dem weiten Reiche von den höchsten, gewiss vortrefflich eingerichteten, Behörden weit entfernt sind, wie viel mehr wird dieses nicht der Fall sein an Stellen, welche ihr mächtiger Arm durch so viele Zwischenstationen kaum zu erreichen, und ihr Auge kaum zu beaufsichtigen im Stande ist.

Kamtschatka's wenige Bewohner haben in den letzten Jahrzehnten Russlands Sitten und Gebräuche angenommen, was sich sogar durch Woh­nung und Kleidung kund gibt. Aber derjenige Theil von ihnen, welcher mit den drängenden und drückenden Russen oft in nähere Berührung kam, hat von dem früher gerühmten braven und biedern Karakter Vieles verloren. Zutrauen ist in Mißtrauen, freundliches Entgegenkommen in Heuchelei verwandelt, und das freie Auftreten des sich selbst bewußten Mannes hat sich in eine Kriecherei verwandelt, welche an Knechtschaft mahnt. Die unsäglichen Unterschleife, welche selbst höhere Staatsdiener in Rußland sich zu Schulden kommen lassen,, ganz gegen den Wille»