Bewohner Wenö. Jakuten. is
Um das Gesicht gegen Kälte zu schützen, bedient man sich lederner Masken.
Was das Essen betrifft, so klingt Das, was die Leute darüber schreiben und sagen, eben so, als wenn der Herr von Münchhausen Verfasser dieser Schilderungen gewesen wäre; dennoch aber soll der Gegenstand, zuverlässigen Berichten zufolge, sich so verhalten.
Die Jakuten genießen bloß Das, was sie haben, gleichviel, ob es Hecht oder Ochse heisst, ob das Thier so eben getödtet, oder ob es schon in Faul- niss übergegangen ist. Sie nehmen nicht mehr zu sich, als ihr Bauch zu fassen vermag. Suppe und Thee gießen sie so heiß hinein, dass ein Europäer sich die Lippen daran verbrennen würde. Coch ra ne sah drei Jakuten, welche bei einer Mahlzeit nicht mehr, als ein ganzes Rennthier (ein Renn- thier ist bekanntlich etwas größer als ein Edelhirsch) mit den Eingeweiden verzehrten; das Blut und Fett wurden ebenfalls, als Brei angemacht, mit genossen. Es soll ein Jakute gewohnt gewesen sein, in vier und zwanzig Stunden bloß ein Viertel von einem großen Ochsen, 20 Pfund Fett, und dazu, als Getränk, geschmolzene Butter zu verzehren. Es soll ein Jakute, nachdem er sich am Frühstücke gesättigt, zum Nachtische noch 28 Pfund Neißbrei zu sich genommen haben. Mehr kann man denn doch wohl anständiger Weise nicht verlangen, und die Völker, welche in dieser Beziehung die Jakuten besiegen, möchten sehr selten zu finden sein *).
Diese Meister aller Vielesser sind zwar roh und unwissend, dennoch aber gastfreundlich, wie man es bei vielen gebildeten Menschen nicht findet, und namentlich in der vielgerühmten Schweiz (wo Gastfreundschaft, wie Jedermann weiß, unbekannt ist) nicht zu treffen vermag. Gelangt ein Reisender zu diesen Jakuten, so kommen sie ihm entgegen, suchen ihm das Absteigen vom Pferde zu erleichtern, nehmen ihn in ihr Haus, und bieten ihm Alles, was ihr Vermögen und ihre Kräfte nur irgend gestatten.
Was ihre Nahrungsmittel betrifft, so kann man sie keineswegs unter die Gutschmecker rechnen; denn Ratten und Mäuse verachten sie nicht, obgleich sie Pferdefleisch als Leibgericht genießen, und gewöhnlich saure Pferdemilch oder saure Kuhmilch, die mit Wasser vermengt ist, trinken. Geschmolzene Butter (welche auch als Arznei benützt wird), Branntwein und Thee, so wie Rennthiermilch, genießt man ebenfalls.
) Der Verfasser glaubt zwar, daß die Herr» Neiseuden, u»> Außerordentliches zu liefern, etwa» über die Schnur gehauen haben mögen, dpch kann er zu den Jakuten einige Beispiele liefern, und ig dadurch gezwungen, diese Angaben für möglich zu halten.

