26 Bewohner Asiens. Samojeden.
Eine Mahlzeit bei den Samojeden schildert Erman so: „Das Renn- thierkalb, welches wir unterwegs erhielten, war, schon wenige Minuten nach der Ankunft, vor dem Zelte geschlachtet und abgezogen worden. Die Männer brachten nun das noch blutende und rauchende Fleisch in die Wohnung, und verzehrten es sogleich und völlig rob, mit äußerster Begierde. Der Alte begnügte sich, das Gehirn aus dem Kopfe zu saugen, während jeder unserer jüngeren Gefährten einen Schenkel des Thiers bis dicht auf den Knochen abnagte. Sie lachten über das Entsetzen, welches mein gutmüthiger esthnischer Begleiter vor ihren blutigen Gesichtern äußerte; alö er ihnen aber durch den Dollmetscher zu verstehen gab, sie seien nicht besser als Wölfe, schienen sie darauf nie Anspruch gemacht zn haben, und erwiederten nun mit Ernst, sie seien aber auch nicht schlechter als jene, weil sie ja redlich mit ihnen theilen, und für sie die Knochen und manche andere Abfälle vom Fleische aus dem Zeltplätze hinterlassen. — Ein Knabe in unserer Gesellschaft, Pcina von ihnen genannt, gab Beweise von frühzeitiger Entwickelung. Auch er erhielt seinen Theil von dem rohen Fleische, und hatte also gute Zähne; dennoch aber forderte er gleich nachher, und so wie früher an jedem Abend und Morgen, sobald für die Anderen der Breikeffel bereitet war, daß die Mutter ihn säugte. Er schlug sie dann, bis die Forderung gewährt worden, oder bis man ihm, zum Ersatze, die Füllkelle gab, mit welcher er selbst von der kochenden Mehlspeise schöpfte und sie verzehrte, ohne sich jemals zu verbrennen. — Wie die Aeltern für den Branntwein, so hatte Peina für unsern Zucker erst allmählig eine bedeutende Vorliebe gewonnen; denn am ersten Morgen sagte er, es sei Schnee, und warf ihn von sich; nachher aber forderte er davon, sobald wir unser Theegeschirr zeigten. Auch unser Brod behagte ihm sehr, obgleich es nun hart gefroren, und selbst für Erwachsene nicht leicht zn beißen war."
Diesen Knaben legte man am Abend nackt in einen kahnförmig geflochtenen Korb, und umschnürte ihn so dicht mit Fellen, daß sein Geschrei während der Nacht von unter der Erde herzukommen schien. Des Morgens holte ihn die Mutter wieder nackt aus dem Bette und ließ ihn sich am Feuer durchwärmen. Erst wenn es zur Reise ging, bekleidete sie ihn mit doppelten Pelzen, und stieß ihn vor die Thüre, während sie die Ein- packung des Zeltes besorgte. Dann fiel er bei jedem Schritte in den tiefen Schnee, schrie aber niemals, weil er aus Erfahrung wußte, daß nun, wegen wichtiger Geschäfte, keiner der Seinigen auf ihn achtete. Wenn alle Schlitten bereit waren, schnürte ihn die Mutter wieder in den wie-

