'«2 Bewohner Asiens. Wotjaken.
Der bei weitem größere Theil hängt noch dem Heidenthume an. Vielweiberei ist zwar erlaubt, und jedem gestattet, so viele Frauen zu nehmen, als er ernähren kann. In der Regel haben die Wotjaken aber nur eine Frau, welche 8 bis is Rubel Kaufschilling kostet, und die verschleiert abgeliefert wird, wenn man das Kaufgeld gebracht hat. Die Braut wird in das Haus des Bräutigams geführt, und in einem eigenen Zimmer als Frau angekleidet. Sie bleibt so lange auf einem ausgebreiteten Tuche an der Thüre stehen, bis der Geistliche ihr und ihrem künftigen Manne Brod, Kinder und Wohlergehen gewünscht und einen Becher mit geweihtem Bier gegeben hat. Darauf wird von einem Mägdchen den Gästen entweder Meth oder Bier angeboten, und die Braut muß so lange vor jedem Gaste knien und beten, bis er seinen Becher ausgetrunkcn hat. Die junge Frau wird nach einiger Zeit von ihrem Vater zurückgeholt, und bleibt dann einige Wochen, zuweilen mehre Monate bei ihren Aeltern. Wenn der Mann sie dann wieder haben will, holt er sie selbst ab, und man feiert die Hochzeit wiederum. Arme Wotjaken, welche das Kaufgeld für die gewünschten Bräute nicht aufzntreiben vermögen, stehle» sich dieselben im Vereine mit ihren Freunden.
Die Wotjaken treiben fleißig Ackerbau, uiid ziehen in ihren Gärten Küchengewächse und Obstbau ine. Aus Kirschen machen sie Wein, welcher beliebt ist, und auch nach Außen verkauft wird. Taback bauen sie selber, so auch spanischen Pfeffer. Obgleich sie sich mit Fischerei stark beschäftigen, gewinnen sie doch nicht mehr, als sie selbst gebrauchen. Viele von ihnen sind Holzhauer, Kohlenbrenner, Pech- und Theerschweler, und bauen Barken. 8(1! Manufakturen fehlt es noch.
Ihre gottesdienstlicheit Feste halten sie theils in Gebäuden, theils auf cingehägten, heiligen Plätzen, theils auf offenem Felde. Jeder Andächtige bringt zum Feste sein besonderes Opfer mit, und selbst der Geistliche macht hiervon keine Ausnahme, indem er selber etwas auf den Tisch stellt. Das Geopferte wird wieder mit nach Hause genommen, und daselbst verzehrt. Zum Bienenfeste opfert man einige Buntspechte. Den Todten, welche man zwischen Bretter legt, wenn man sie begraben will, werden Schuhe und Beile, Messer und Kessel, und sogar die ganze Kleidung und ein Kuchen, auf die Brust gelegt, womit sie zur Schau ausgestellt werden, mitgegeben. Das Grab wird mit kleinen Stücken von hartgesottenen Eicvn bestreut und auf demselben werden einige Lichter angezündet. Die Begleitenden schreiten über ein brennendes Feuer, reiben sich die Hände mit Asche, baden sich, wechseln die Kleider, und nehmen im Hause des Todten mit Speise

