Bewohner Asiens. Kalmüke». 35
nannt. Die Burchanen sind entweder männlichen, oder weibliche» Geschlechts, wohl gebildet, oder häßlich, so zwar, daß die gute» Götter schön, die bösen häßlich sind. Die Standbilder dieser überirdischen Wesen werden aus Gold oder Silber, Kupfer, Thon oder Holz verfertigt. Die Burchanen können wohlthun, und bestrafen,-und haben nicht alle den gleichen, sondern manche einen sehr hohe», andere einen niederern Rang. Ihre Anzahl ist außerordentlich groß, und tugendhafte Menschen können, nachdem sie alle Stufe» der Seelenwanderung zurückgelegt haben, zu dieser Ehre gelangen.
Der Dalai Lama, der höchste Priester des Foe-Glaubens, sollte eigentlich das Oberhaupt der kalmükischcn Geistlichkeit sein. Da aber die Verbindung mit seiner Nesidenz abgebrochen ist, halten'sich fast alle Lama's in ihren Lagern für unabhängig von ihm. Die Lama's setzen in ihren Lagern die Geistlichen ein, verrichten die Gebete, welche gegen böse Geister schützen, vergeben die Sünden, begraben, und segnen die Todten. Ihnen sind die Gelungi oder Priester untergeordnet. Einer der letztgenannten versieht den Dienst bei ioo bis iso Familien. Aus die Gelungi folgen die Gczu l i, unter welchen die Mandschikami, die Schüler der Religion oder Kirchendiener, stehen.
„Die Kibitken, in denen die Götzentempel befindlich, werden, sobald das Lager aufbricht, gleichfalls von einem Orte zum andern mitge- , nommen. In selbigem stehen aus einem erhöhte» Platze die Burchanen, und vor diesen, in silbernen Opferschalen, Reis, Nüsse und Milch; auf den Leuchtern brennen Lichter, in den Lampen Ocl, und in den Räucherbecken verschiedene Wohlgerüche. Rund umher befinden sich Fahnen, Bücher, Pauken, Trompeten, Pfeifen, Tambourins, Glocken, Glöckchen n. dergl.
Die Geistlichkeit hat als Religionsgesetz angenommen, stets einen Sohn aus jeder Familie zum Geistlichen zu weihen. In alten Zeiten war bei jedem Kloster und jeder Götzentempel-Kibitke die Zahl der Geistlichen durch ein. Gesetz bestimmt; allein diese weise Vorschrift der Ahnen ist jetzt verletzt, und die Geistlichkeit hat sich mit einer Schaar ihrem Stande geweihter Jünglinge umgeben, und läßt sich dafür von diesen jungen Müßiggängern, die Arbeit und Dienste meiden, reichlich bezahlen.
Die Anzahl der müßigen Menschen, die der Gesellschaft zur Last fallen, wird durch die Vermächtnisse der abergläubigen kalmükische» kleinen Fürsten noch vermehrt; sie geben Familien, und, so zu sagen, ganze Dörfer ihrer Erbleute mit deren ganzer Habe den Klöstern. Solche Unterthanen zahlen gar keine Abgaben, und verrichten keine der Gesellschaft nöthigen Obliegenheiten.
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