Bewohner Asiens. Araber. 241
den Vogel kein Baum, für das Thier kein Gras vorhanden ist, wo nur, wenn man Tagereisen zurückgelegt, eine Quelle gefunden wird, um den Durst zu löschen, leben die Sohne der Wüste, unter den Stralen der sengenden Sonne, in crzväterlicher Einfachheit, das leichte Rost, und das Durst ertragende Kameel, das Schiff der Wüste, als Hausthiere sorgsam pflegend.
Mit zum Besten der Habe gehören den Arabern ihre Kameele; sie bedienen sich derselben, um durch die Wüste zu ziehen, und ihre Waaren und andere schwere Gegenstände durch sie fortzuschaffen; denn ein Kameel kann eine Last von 7 Zentnern sehr gut fortbewegen. Dazu kommt, daß es überaus leicht zu ernähren ist, und fast mit Allem vorlieb nimmt, was man ihm gibt; denn es fristt Häckerling und Disteln, zerstoßene Dattelkerne und Bohnen und Gerste. Am besten ist es aber, wenn man ihnen hart geknetetes Gerstenmehl gibt, weil sie dabei vortrefflich aushalten können. Ein Kameel kann einige Wochen zur Reise benutzt werden, wenn man ihm täglich ein Pfund des ebengcnannten Futters und eben so viel Wasser gibt. Auf die Strecke von Kairo bis Suez, was ungefähr 20 deutsche oder 80 geografische Meilen ist, pflegt man den Kameclen Nichts zu fressen, noch zu saufen zu geben. Wenn man diese Thiere aber so karg hält, und dabei stark anstrengt, bekommen sie dadurch einen übelriechenden Athem und gehen zu Grunde. Die Kameele haben einen langsamen Gang, und legen in einer Stunde selten mehr als 10 oder 11.000 Fuß zurück. Läßt man sie etwas rasten, so machen sie in einem Tage 15 bis 18 Stunden Wegs. Die karamanischen oder armenischen Kameele sind größer, als die arabischen, und haben gebognere, höher gestreckte Hälse. Diese Art pflegt man gewöhnlich mit ooo Pfund französischem Gewicht zu beladen, und bezahlt sie mit 500 Piastern, während das arabische Kameel nur 250 Piaster kostet. Damit die Raffe nicht ausartet, sucht man sie durch die Vermischung beider Arten mit einander zu erhalten. Die einhöckerigen Kameele oder Dromedare (Hedjin) sind schneller und gewandter, als die zweibuckeligen, und werden deshalb bei Schnellreisen benutzt. Sie können 30—40 Stunden lang, in jeder Stunde wenigstens eine Meile, im ununterbrochenen Trabe, also in einem Zuge bis 50 deutsche oder 200 geografische Meilen zurücklegen und die schnellste arabische Stute holt den Reiter des Dromedars nicht ein, wenn er einige Stunden Vvrsprung hat.
Des Arabers Pferd, sein Schatz und seine Freude und seine Lust, welches bei seiner aufgerichteten Lanze immer gesattelt vor seinem Zelte steht, ist ihm zu jeder Zeit zur Hand, ist mit ihm unter gleichem Zelte erwachsen, theilt mit ihm Beschwerden und Heldenthaten, und ist ihm treu, fast wie
K. F. V. Hoffmanns Völkerkunde. ,g

