Bewohner Afrika s. Aegipler. 28L
zwanzigsten Mai des folgenden Jahres. Darauf bleibt er bis zur Sommer- Sonnenwende auf dem niedrigsten Stande, womit der Kreislauf eines Jahres geschloffen ist. Beim Hochwaffer hat der Nil eine röthliche Farbe, und ist reich an Schlamm, und an feinem Sande. Jemehr aber das Hochwaffer sich verliert, um so klarer wird die Farbe, da sich die mitgeführten Theile, bei verminderter Schnelligkeit der Strömung, auf den Boden senken. Nach einer genauen Messung, welche zu Anfang dieses Jahrhunderts angestellt worden, betrügt der Unterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten Stande nahe an 7 franz. Meters.
Schon von der frühesten Zeit her, schreibt es sich, das; die Abgabe in Ägipten nach der Höhe des NilwasserS sich richtet. Der Strich an dem Nilmeffer, der die Höhe andeutet, von welcher aufwärts ein gesegnetes Jahr zu erwarten ist, wird das Wasser des Sultanö genannt, und in diesem Falle kann derStrom ungefähr die Hälfte der Ländereie» überschwemmen. Hat der Nil diese Höhe erreicht, so wird dasselbe sogleich öffentlich bekannt gemacht, und der Damm durchstochen. Zu dieser Zeit schon beginnt man Feste zu feiern, obgleich der Strom zuweilen oft 7—8 Ellen höher steigt. Nur alle 30 Jahre erreicht der Nil in Unterägipten den angedeuteten höchsten Stand früher, als in der ersten oder zweiten Woche des Septembers; dann wünscht sich alles Glück und ist voll Freude. In Kairo ist das Durchstechen deö Nildammes mit großen Feierlichkeiten begleitet, worauf dann die Benutzung des Wassers im ganzen Lande frei gegeben ist, alle Schleusen geöffnet werden, und sich ganz Unterägipten in einen weiten Landsee verwandelt, aus welchem die Ortschaften, Inseln gleich, hervorragen. Mit dem Oktober, wenn das Wasser sich allmählig wieder senkt, ist das Erdreich durchnäßt, und die Oberfläche desselben durch den Nilschlamm gedüngt, dann beginnt man überall zu säen, und die Landleute dürfen einer guten Ärnte gewiß sein.
Damit das Volk keinen Mißwachs befürchte, und in guter Hoffnung erhalten werde, gibt die Regierung in der Regel den Stand des Nilwaffers höher an, als er wirklich ist. Es ist natürlich, daß zu den Seiten deö ebenen Nilbettes durch daö Zurückbleiben des Schlammes, und der übrigen erdigen Theile der Boden alljährlich um ein klein wenig erhöht werde. Mag die Erhöhung in einem Jahre auch noch so wenig betragen, so macht sie doch in einer langen Reihe ein Beträchtliches aus. Betrüge sie in
einem Jahre nur V» Linie, so würde das in 5o Zähren schon einen Zoll, und in einem Jahrtausende ungefähr 20 Zoll ausmachen. Da aber diese Annahme unfehlbar zu gering ist, sieht man wohl, daß, wenn das Steigen

