189

Veit. Ja, seht nur, Herr! ich wußte eben keinen bessern Namem im Kalender zu finden. Trage ich den Namen mit Ehren, so wird der Junge ihn auch so tragen; und wenn meine Tochter so brav wird, wie die Mutter, die junge Käthe wie die alte, so wird's auch schon recht sein.

Hollmann. Alles, was ich von Euch höre, spricht mich an, gefällt mir. Ihr zeigt in Allem schlichten, ge­raden Verstand. Hat Euch denn der Himmel auch mit Glücksgütern gesegnet?

Veit. Ich habe, was ich brauche; ich brauche freilich nicht viel, und wenn's einmal in mehr Theile gehen soll, so wird für den Einzelnen nicht eben viel abfallen. Aber ich bin noch jung und gesund, und bleibe ich noch eine Zeit am Leben, und bricht kein Unglück über uns herein, so hoffe ich noch einige Thaler zu erübrigen, für die ich noch Land und Vieh kaufen kann, und das bringt dann auch wieder mehr.

Hollmann. Ihr Landwirthe seid dem Hagel, dem Mißwachs, dem Viehsterben ausgesetzt, und dann können Eure sorgsamsten Berechnungen zu nichte werden.

Veit. O nicht doch! Dafür sind ja die Versicherungs­gesellschaften da. Man muß solche Anstalten benützen, nicht immer am Alten kleben, so fährt man wohl dabei. Unser Thal ist übrigens gut gelegen, selten von Gewittern heimgesucht, und auch vom Viehsterben ist bei uns schon lange nichts verspürt worden.

Hollmann. Das liegt in der Luft, die ist für alle Geschöpfe heilsam. - Auch der Mensch fühlt sich leicht und froh in dieser Luft. Ihr seid.wohl immer gesund?

Mutter Käthe (lachmd). Ach, Herr, man hat nicht Zeit, krank zu sein.