mich rodtschlagcn!« Mi nchen, lebhaft gerübrt, zog gleich ihr Beutclchcn hervor, in dem aber nur mcbr fünf Groschen waren, da sie alles Uebrige vorher der armen Frau geschenkt hatte. Sie bath ihren Bruder, ihr indessen das Fehlende zu leihen, der aber, aus Furcht es vielleicht nicht zurück zu erhalten, läügnetc seine Börse bey'sich zu haben, was ibm Minchen nicht glauben wollte. Voll Mitleiden mit dem noch immer weinenden Lchrjungcn, sah sie sich'überall um Beystand für ibn um, als sie in einer nahen Allee den Lehrer ihres Bruders bemerkte, auf welchen sie gleich zu lief, ibm ihr Anliegen zu klagen, und welcher auch so gefällig war, ihr gleich zu helfen. Sie gab nun den ganzen Betrag jenem armen Jungen, der so überrascht war, daß er fast auf das Danken vergaß, und schnell forteilte, sich eine neue Flasche zu kaufen; Minchen aber ging nach Hause, wo sie ihrer Mutter das Vorgefallene erzählte, die zwar ihr mitleidiges Herz lobte, sie aber darauf aufmerksam machte, daß ein kleines Mädchen ihre Gutmüthigkeit nicht zu weit treiben müßte, um Leute, die ihr fast fremd seyen, anzusprechen. Dann fragte sie: »Hat denn Alfred dir nicht beysteuern können, er bat ja erst kürzlich einen Dukaten, und ein neues Guldenstück vom Onkel erhalten?« Doch dieser gesellte die Lüge zum Geitze, und behauptete sowohl keine Börse mitgehabt, als auch überhaupt wenig Geld zu haben, indem er jetzt nothwendige Ausgaben für seine Lchrgegcnstände machen gemußt hätte.
So gutmüthig Minchen war, ärgerte es sie doch, daß ihr Bruder sowohl jener Frau nichts gegeben, als auch ihr selber sich so ungefällig bewiesen habe. Sie glaubte überzeugt zu seyn, daß er Geld habe, und hätte ihm gern einen kleinen Possen gespielt, wozu sich auch bald die Gelegenheit fand. Da sie bemerkte, daß crje-
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