214
Kindesliebe seiner Brust reifte ein großer, heiliger Entschluß.-
Nach einigen Tagen suchte er den Doctor Mißpickel wieder allein zu sprechen, und fragte ihn ängstlich: ob denn das Einsetzen anderer Augen der Mutter sehr weh thun würde? — „Nichts weniger!" antwortete der Doctor; „das ist vielmehr ein angenehmes Gefühl; allein das Ausschneiden der Augen, mein Kleiner, daS Ausschneiden, das ist mit sehr großen Schmerzen verbunden, und deshalb giebt sich auch Niemand dazu her, wenn man ihm gleich übrigens die Augen bezahlen wollte und könnte!" —
Adolph bat hierauf den Doctor, daß er doch einmal seine Augen ansehen, und ihm dann sagen möchte: ob er sie für gut und gesund hielte? — „Ei! das sind vortreffliche Augen!" rief der Doctor, als er.hinein geschaut hatte; „ich wollte, daß Deine gute Mutter solche Augen hätte!" Da siel Adolph bewegt dem Doctor um den Hals, und gestand ihm schüchtern: daß er freudig seine Augen hergeben wolle, wenn er sie nur aber auch dann ganz gewiß der Mutter ordentlich einsetzen könnte!
„Du zweifelst wohl an meiner Geschicklichkeit?" sagte der Doctor. „£>! da sollst Du gleich eine Probe erhalten!" — Mit diesen Worten zog er ein kleines Messerchcn aus der Tasche, schnitt mit großer Behendigkeit, und ehe Adolph es nur ahnen

